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Migranten-Priester: Regierung verharmlost neue Massen-Entführung

Der mexikanische Priester Alejandro Solalinde hat wegen des Umgangs seines Heimatlandes mit der jüngsten Massen-Entführung von zentralamerikanischen Migranten scharfe Kritik an den Behörden in Mexiko geübt. Der Direktor eines katholischen Heimes für Migranten kritisierte insbesondere das Verhalten der Regierung des Bundesstaates Veracruz, die Meldungen über die Entführung von 60 illegalen Einwanderungen als Gerüchte zurückwies. "Ich glaube, sie verheimlichen etwas", sagte Solalinde laut lokalen Medienberichten auf einer Pressekonferenz. Entweder die Behörden seien schlecht informiert oder sie versuchten, die mittlerweile dritte Entführung dieser Größenordnung zu verharmlosen.

"In jedem der bisherigen Fälle hat die Regierung zunächst die Entführungen dementiert", so Solinda. Nach ihm vorliegenden Erkenntnissen hätten bewaffnete Männer einen Zug voller Migranten angegriffen und mindestens 60 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder verschleppt. Die Mehrzahl der Opfer stammt aus Nicaragua, Guatemala, El Salvador und Honduras. Solalinde kritisierte zugleich die seiner Meinung nach schwammige Erklärung des Außenministeriums an die betroffenen Nationen, in der es heißt, die Regierung gehe Hinweisen einer "möglichen Entführung" nach.

Der Bundesstaat Veracruz gilt als Hochburg des Drogenkartells "Los Zetas", das nach Erkenntnissen der Behörden im August 2010 für die Massen-Ermordung von 72 Migranten aus Zentral- und Südamerika verantwortlich gewesen ist. Die Drogenmafia versucht die Migranten, die über Mexiko in die USA gelangen möchten, als Handlager für den Drogenhandel zu gewinnen. Weigern sich die illegalen Einwanderer, droht ihnen die Ermordung. (TK)