Haiti |

Menschenhandel an offiziellen Grenzposten

Obwohl viele Haitianer keine gültigen Papiere für das Nachbarland haben, gelangen sie über offizielle Grenzposten in die Dominikanische Republik. Häufig erfolgt der Grenzübertritt dabei in Fahrzeugen von organisierten Schlepperbanden. Dies geht aus einer Anfang des Jahres veröffentlichten Untersuchung der dominikanischen Nichtregierungsorganisation Cefasa hervor. Demnach hatten nur 22 Prozent der befragten Haitianer ein gültiges Visum für die Dominikanische Republik, trotzdem gaben 42 Prozent der Migranten an, über den Grenzposten in Dajabón eingereist zu sein. Cefasa wertet dies als Zeichen, dass „Militär und Migrationsbehörden möglicherweise in den Menschenhandel verwickelt sind."

Cefasa fordert, dass das Schweigen der dominikanischen Gesellschaft zu diesem Thema gebrochen werden müsse, denn es mache die Komplizenschaft zwischen Behörden und Kriminellen erst möglich. Alle Dominikaner sollten begreifen, dass derartige Verbrechen angezeigt werden müssten. Eine Militarisierung der Grenzregion sei daher momentan das falsche Mittel, da „sie der Korruption eher noch Vorschub leistet“, so die Organisation.

Fallstudie mit haitianischen Migranten

Für ihre Untersuchung zum Menschenhandel mit haitianischen Migranten hatte Cefasa zwischen Dezember 2010 und Juni 2011 insgesamt 106 haitianische Migranten befragt, die in der dominikanischen Stadt Santiago de los Caballeros leben. Die dominikanische Nichtregierungsorganisation Cefasa hat in einer Fallstudie untersucht, auf welchem Weg haitianische Migranten in die Stadt Santiago de Caballeros im Norden des Landes gelangen.

Laut Cefasa sind fast zwei Drittel der Migranten Männer, was der üblichen Strategie entspreche, dass die Männer einer Familie zuerst ein anderes Land aufsuchen und die Familie erst nachkommt, wenn er eine einigermaßen sichere wirtschaftliche Situation schaffen konnte. 61 Prozent der Migranten sind zwischen 18 und 35 Jahre alt, 32 Prozent älter als 35 Jahre und sieben Prozent sind Minderjährige.

69 Prozent der Migranten nutzen Schlepperbanden

Rund 69 Prozent der Migranten nutzten Schlepperbanden, um ins Nachbarland zu gelangen. Diese Gruppen transportieren die Flüchtlinge in „Spezialtransporten“ sowohl mit Mopeds, als auch mit Jeeps über die Grenze. Die Befragten gaben an, dass Zahlungen zwischen 3.440 und 12.000 Dominikanische Peso (zwischen 67 und 233 Euro) mit den Schleppern vereinbart worden seien, 46 Prozent der Migranten erklärte jedoch, sie seien gezwungen worden, mehr zu bezahlen. Einige Befragte erklärten, dass Migranten, die das Geld nicht aufbringen können, so lange von den Schleppern festgehalten würden, bis das Geld komme.

Aufgrund des illegalen Aufenthaltsstatus gestaltet das Leben nach der Ankunft in der Stadt Santiago sehr schwer, da die Migranten oft nur im informellen Arbeitsmarkt eine Tätigkeit finden, wo die Arbeitsrechte häufig missachtet werden, so die Studie. (bh)

Quelle: Adital