Bolivien |

Menschen mit Behinderung fordern mehr Unterstützung

Mehrere tausend körperlich Behinderte haben Ende vergangener Woche für mehr Unterstützung seitens des Staats in der bolivianischen Hauptstadt La Paz protestiert. Die Demonstranten, von denen sich einige im Hungerstreik befinden, fordern eine staatliche Unterstützung von jährlich 431 US-Dollar, statt den bisher ausgezahlten 143 US-Dollar. Der Ombudsmann der Behinderten Gregorio Lanza bezeichnete die bisherige Summe als komplett unzureichend, um die Bedürfnisse Behinderter abzudecken.

Polizeigewalt gegen Demonstranten

Die Demonstranten sind am letzten Donnerstag nach einer 100-tägigen Reise durch fünf Regionen des südamerikanischen Landes in einer Karawane in der Hauptstadt angekommen. Beim Vorrücken des Demonstrationszuges zur Plaza Murillo kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der örtlichen Polizei. Nach Angaben lokaler Medien habe die Polizei versucht, die Menschenkarawane gewaltsam aufzuhalten. Auf beiden Seiten kam es zu Verletzten und sieben Demonstranten wurden verhaftet. Lanza verurteilte das Verhalten der Behörden: „Es ist bedauerlich, wie die Polizei gegen eine der schwächsten Gruppen der Gesellschaft vorgeht“.

Der Zusammenstoß mit der Polizei konnte die Protestanten nicht davon abhalten, ihren Protest auch am Freitag fortzusetzten. „Hier kann es Tote geben, aber wir werden nicht auf unser Recht verzichten. Bisher haben wir 101 Tage gekämpft, wir kämpfen auch 365“, verkündet der Oppositionsabgeordnete Jaime Estivaris im Anschluss an die Protestaktion. Die Demonstranten kritisieren vor allem den Präsidenten Evo Morales, der 2008 einen Fonds für Behinderte in Höhe von 23 Millionen angekündigt hatte. Bisher seien laut Lanza nur zehn Prozent dieses Fonds an die Betroffenen ausgezahlt worden.

Kirche unterstützt die Demonstranten

Monsignore Sergio Gualberti, Erzbischof-Koadjutor von Santa Cruz, hat in seiner Sonntagspredigt zur Solidarität mit den Teilnehmern der Demonstration aufgerufen und bedauerte die Gewalt, die die betroffenen Personen erfahren haben. „Diese Menschen (…), die zur Achtung der Menschenrechte aufrufen, auf ihre Unzufriedenheit mit ihrer Situation aufmerksam machen und Möglichkeiten für ein Leben in Würde fordern, sind Opfer brutaler Repression geworden“, so Gualberti. Der Bischof forderte die Bolivianer weiterhin dazu auf, für die Kirche und andere Institutionen zu spenden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Situation körperlich Behinderter in Bolivien zu verbessern. (aj)