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Mehr Selbstkritik in Mittelamerikas Migrationsdebatte angemahnt

Die Kirche in Mittelamerika ruft zu mehr Engagement und Ehrlichkeit bei der Bekämpfung der Fluchtursachen in der eigenen Region auf. Ein Problem: grassierende Korruption.

Täglich gelangen zehntausende Migranten, Flüchtlinge und Grenzgänger aus Venezuela über die Brücke "Puente Internacional Simon Bolivar" nach Kolumbien. (Symbolfoto: Florian Kopp/Adveniat)
 

Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump zeigen offenbar Wirkung. Nachdem er Strafzölle gegen Mexiko angekündigt hatte, sollte das Land nicht mehr gegen die Migration aus Mittelamerika durch Mexiko in Richtung USA unternehmen, trafen beide Länder eine Vereinbarung: Washington wollte zunächst auf Strafzölle verzichten und Mexiko seine Anstrengungen erhöhen. Mexikos linkspopulistischer Präsident Andres Manuel Lopez Obrador vollzog einen politischen Kurswechsel. Hatte er sich im Wahlkampf 2018 noch auf der Seite der Migranten präsentiert, schickte er nun Tausende Mitglieder der neuen Nationalgarde zur Bewachung an die Süd- und die Nordgrenze Mexikos.

Nun, 45 Tage später, zog die mexikanische Regierung eine erste Bilanz der neuen Maßnahmen. Die Zahl der Migranten, die seit Beginn des Abkommens mit den USA nach Mexiko gelangen, ist nach Angaben von Außenminister Marcelo Ebrard um 36,2 Prozent zurückgegangen. Prompt gab es Lob von seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo, der die Anstrengungen des Nachbarlandes würdigte.

Kirche fordert mehr Selbstkritik

In Mittelamerika wird unterdessen debattiert, wie die Region mit den neuen politischen Rahmenbedingungen umgehen könne. Vor allem die katholische Kirche mahnt zu mehr Selbstkritik. Kardinal Gregorio Rosa Chavez aus El Salvador sieht in der grassierenden Korruption einen Grund für die Migration aus Mittelamerika. Darüber werde zu wenig gesprochen, sagte Rosa Chavez laut der Zeitung "La Prensa Grafica"; und wörtlich: "Das ganze Geld, das Politiker geraubt haben, wäre gebraucht worden, damit die Menschen ein besseres Leben bekommen."

Auch Kardinal Carlos Aguiar Retes, Erzbischof von Mexiko-Stadt, ruft zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den Ursachen von Migration auf. Die Mehrzahl der Migranten verließen ihre Heimat wegen Armut, Unsicherheit und sozialen Konflikten bis hin zu Krieg. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden zwischen Januar und Juni rund 55.000 Migranten in ihre Heimat Guatemala abgeschoben, 53 Prozent von ihnen aus den USA, die anderen aus Mexiko. "Die Rückkehrer erwartet in Guatemala die gleiche Armut, vor der sie versucht hatten zu fliehen", schreibt die Zeitung "La Hora."

Die Kirchen in den betroffenen Regionen bemühen sich, die von Abschiebung aus den USA bedrohten Migranten zu betreuen. Der Erzbischof von Puebla, Victor Sanchez Espinosa, bestätigte zuletzt, dass die beiden Erzdiözesen New York und Puebla in ständigem Kontakt seien, um Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Er sei dankbar, dass man in New York Kirchen öffne und Anwälte zur Verfügung stelle.