Brasilien |

Mehr Menschen von Landkonflikten betroffen

Von Januar bis September dieses Jahres sind weniger Morde bei Landkonflikten begangen worden im Vorjahr, die Gewalt hat insgesamt jedoch nicht abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Kommission der Landpastorale CPD ihrem kürzlich veröffentlichten Bericht. Die CPT registriert und bewertet in ihrer Untersuchung Fälle, bei denen es um Wasser- und Landkonflikte geht, sowie um arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen.

Insgesamt habe es demnach 686 Fälle gegeben, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 777 Fälle registriert worden. Anführer von Protesten und Umweltschützer seien jedoch seltener zu Tode gekommen. Bis November 2011 wurde 23 Aktivisten umgebracht, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 23 Personen.

Vor allem die Zahl der Konflikte um Land, die mit Landbesetzungen, Protestcamps und anderen Protestformen in Zusammenhang stehen, sei zurückgegangen. So wurden im vergangenen Jahr 535 derartige Konflikte registriert, in diesem Jahr waren es 439.

Weniger Konflikte aber mehr Betroffene

Trotz des zahlenmäßigen Rückgangs der Konflikte, seien jedoch mehr Menschen davon betroffen. Die Zahl stieg von 234.150 auf 245.420 Personen an. Im Durchschnitt, so die CPT, seien 559 Personen von einem Konflikt betroffen. Auch die Zahl der Wasserkonflikte ist von 65 Fällen im vergangenen Jahr auf 29 Fälle in diesem Jahr deutlich zurückgegangen, doch auch dort stieg die Zahl der Betroffenen von 2.464 Personen im vergangenen Jahr auf 3.217 Personen in diesem Jahr an. Arbeitskonflikte, vor allem wegen Sklavenarbeit, nahmen in ganz Brasilien zu, mit Ausnahme des Nordens, wo bereits seit Jahren die meisten Anzeigen gestellt werden. Bis September gab es in diesem Jahr 218 Anzeigen, rund 20 Prozent mehr als im Jahr 2010.

Laut CPT verdeutlichen diese Daten „die geringe oder gänzlich fehlende Bedeutung, die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen sowie der bäuerlichen Landwirtschaft auf nationaler Ebene beigemessen wird. (…) Die Forderungen nach Landrückgabe werden ignoriert." Die nationalen Gesetze „sind nicht ausreichend“, so die CPT. Viele Bauernführer lebten mit Todesdrohungen, die sich jederzeit konkretisieren könnten, mahnt die Kommission.

Einige Fälle von Landkonflikten waren auch international in die Schlagzeilen geraten, wie der Mord an den Umweltaktivisten María de Espírito Santo und ihrem Ehemann José Claudio Ribeiro da Silva in Pará. (bh)

Quelle: Adital