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Mehr Gewalt im ländlichen Raum

In Brasilien hat es 2012 im Vergleich zum Vorjahr 24 Prozent mehr Morde auf dem Land gegeben. Dies geht aus dem Bericht „Konflikte im ländlichen Raum Brasiliens 2012“ hervor, den die die Landpastorale (CPT) anlässlich des weltweit begangenen „Tages der Erde“ am 22. April veröffentlicht hat.

Der jährlich von der CPT erarbeitete Bericht führt Landkonflikte, Vertreibungen, Auseinandersetzungen wegen Landrückgaben, Verletzungen der Rechte von Völkern und Gemeinschaften bei Großprojekten oder durch Landarbeiter.

Alles wird dem Markt untergeordnet

Ursache für die Konfliktzunahme sei der Hunger nach Land und die Vermarktung aller Ressourcen, auch in indigenen Territorien. Es werde versucht, alles dem Markt unterzuordnen, was schwerwiegende Auswirkungen habe. „Auf diese Weise werden Zerstörung wie auch Erhalt der Umwelt zu einem Geschäft“, analysiert Elder Andrade de Paula in dem Bericht.

Demnach ist vergangenes Jahr die Zahl der Morde im Gegensatz zu 2011 von 29 auf 36 angestiegen. Es gab mehr als doppelt so viele Mordversuche (77 im Jahr 2012 und 38 in 2011). Besonders viele Morde wurden im Bundesstaat Rondônia begangen, wo acht Personen aufgrund von Landkonflikten umgebracht wurden.

Die Landpastorale erfasste 1.364 Auseinandersetzungen um Land, Arbeit, Wasser und andere Güter und Rechte. Bei 1.067 dieser Konflikte drehte sich die Auseinandersetzung um Land. Besonders betroffen ist das Amazonasgebiet, wo allein 489 Landkonflikte registriert wurden. Auch mehr als die Hälfte der Morde und 84 Prozent der Mordversuche ereigneten sich dort. Im Nordosten und zentralen Westen Brasiliens war hingegen eine Zunahme von Landvertreibungen zu verzeichnen, bei denen Grundstücke geräumt wurden, die von sozialen Bewegungen, wie der Landlosenbewegung (MST) besetzt worden waren.

Ungleiche Ausgangspositionen der Konfliktparteien

Laut Bericht sind in 15 Prozent der Konflikte Indigene involviert, bei zwölf Prozent der Auseinandersetzung sind Quilombolas, Nachfahren schwarzer entflohener Sklaven, betroffen und neun Prozent der Konflikte betreffen traditionelle Gemeinschaften. Die CPT hebt hervor, dass all diese Betroffenen bei Auseinandersetzungen nur wenig Unterstützung bzw. oft auf sich selbst gestellt seien, während die Gegenseite häufig von Firmen und Behörden finanziell unterstützt werde. (bh)