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Mehr für die Jugend tun

Zu wenige Kinder gehen in die Oberschule und zu viele überhaupt nicht zur Schule. Und viele Kinder werden in Armut groß. Lateinamerika und die Karibik muss mehr für die Zukunft tun - und in Kinder und Jugend investieren. Zu diesem Schluss kommt ein jüngst von der CEPAL veröffentlichter Bericht.

Die Chancen für eine positive Entwicklung in Lateinamerika und der Karibik stehen, von der Bevölkerungsentwicklung her betrachtet, gut, konstatiert das Spezialkomitee der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL). Denn im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt ist der Anteil der Jugendlichen dort mit 26 Prozent relativ hoch.

Doch in dem Anfang Juli in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito vorgestellten Bericht ruft die CEPAL auch ausdrücklich dazu auf, mehr in die Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren zu investieren, damit sich die Chance nicht ins Gegenteil verkehre.

Investitionen in die Zukunft

„Wenn man jetzt in Bildung, Berufsausbildung und die Gesundheit [der Jugendlichen] investiert, wird dies Möglichkeiten schaffen, die einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung der Region darstellen, das ist ganz klar. Anderenfalls aber werden diese Jugendlichen im Erwachsenenalter nur äußerst eingeschränkte Möglichkeiten haben, sich selbst Wert zu schätzen. Investitionen die heute nicht getätigt werden, wird man in der Zukunft einfordern – wobei dies allerdings ein sehr ungünstiges Zukunftsszenario wäre“, heißt es in dem 140 Seiten starken Bericht.

Im Jahr 2009 lebte ein Drittel der Jugendlichen in Armut, 10,1 Prozent in absoluter Armut. Dabei sind die regionalen Unterschiede enorm: In Argentinien, Chile und Uruguay leben weniger als 15 Prozent der Jugendlichen in Armut. In Bolivien, Guatemala, Nicaragua und Paraguay sind es jedoch mehr als 50 Prozent, in Honduras sogar 60 Prozent der Jugendlichen.

Rund 16 Prozent der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren gehen laut Bericht weder zur Schule noch haben sie eine Armut. Die CEPAL warnt, dass diese Jugendlichen aus der Gesellschaft praktisch ausgeschlossen seien, da ihnen etwa der Zugang zu Bildung und Gesundheitsschutz fehle. Dadurch werde Armut reproduziert, eine Gefahr für künftige Generationen.

Frühe Mutterschaften

Bezüglich des Bildungsniveaus merkt die CEPAL ebenfalls Nachholbedarf an, hebt aber auch große regionale Unterschiede hervor. So haben 93 Prozent der 15 bis 19-Jährigen die Grundschule beendet und im Schnitt haben 56 Prozent der 20 bis 24-Jährigen die Sekundarschule abgeschlossen. Doch während beispielsweise in Uruguay 80 Prozent und in Peru 70 Prozent der bis 24 Jährigen einen mittleren Bildungsabschluss haben, sind es in Guatemala, Honduras und Nicaragua nur 30 Prozent. Die CEPAL stellt außerdem fest, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen die Jugendlichen aufwachsen und dem erreichten Bildungsstand gibt.

Auffällig ist zudem die Trend zu frühen Mutterschaften in Lateinamerika und der Karibik für die Jahre 2010-2015. Während die Frauen dort im Schnitt 2,16 Kinder zur Welt bringen und damit knapp hinter Asien (2,18 Kinder), vor Europa und Nordamerika und nahe beim weltweiten Durchschnitt von 2,45 Kindern liegen, bekommen 70 Prozent der Frauen ihre Kinder im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Die regionalen Unterschiede seien dabei sehr groß, so die CEPAL. So habe es in Nicaragua 108,5 Geburten pro Tausend Frauen zwischen 15 und 19 Jahren gegeben (Zahlen von 2005), jedoch nur 50,1 Geburten in Kuba (Zahlen von 2008).

Ins Zentrum der Gesellschaft

Die Autoren des Berichts fordern, dass Jugendliche besser vor Armut geschützt werden müssten. Die Staaten sollten entsprechende Systeme des sozialen Schutzes und der Fürsorge schaffen, die an die spezielle Situation der Jugendlichen in den jeweiligen Ländern angepasst sind. Dabei sollten die Länder ein Augenmerk darauf legen, dass mit den Maßnahmen jene Rechte garantiert werden, die in internationalen Abkommen längst festgeschrieben sind.

Es seien entschiedene Schritte notwendig, um „die vollständige Inklusion und die Entwicklung“ der Jugendlichen zu garantieren und, um sie ins Zentrum der Gesellschaft zu rücken.

Autorin: Bettina Hoyer

Kinder in einem Dorf im peruanischen Amazonasgebiet / Foto: Hoyer