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Mehr als sechs Millionen Kinder ohne Papiere

Zehn Prozent aller in Lateinamerika lebenden Kinder unter fünf Jahren haben keine Papiere und existieren damit rechtlich nicht. Das teilte am Mittwoch das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) in Panama mit. Die meisten dieser Kinder gehörten zu den Allerärmsten, sagte der Unicef-Direktor in den mittelamerikanischen Land, Bernt Aasen. „Sie werden damit doppelt bestraft, denn wer keine Papiere hat, fällt durch die Raster der Sozialhilfeprogramme und kann auch keine Schule besuchen. Die Marginalisierung auf Lebenszeit ist damit schon vorgezeichnet.“ In Panama findet derzeit eine Regionalkonferenz zu dem Thema statt. Vor 20 Jahren hatten noch 40 Prozent aller Kinder keine Geburtsurkunde. Die Zielsetzung ist, dass bis 2015 alle Länder ein kostenloses Geburtenregister führen.

Besonders häufig betroffen von dem Phänomen sind Unicef zufolge Indigene, Schwarze, Einwanderer ohne legale Aufenthaltsgenehmigung oder Bauern aus weit abgelegenen, ländlichen Gemeinden. Mancherorts koste die Geburtsurkunde oder der Transport zum nächsten Standesamt schlicht zu viel Geld. In anderen Ländern können Mütter ihre Kinder nicht ohne die Zustimmung der Väter registrieren – doch die wollen oftmals den Nachwuchs nicht anerkennen. Auch kulturelle Gründe wie die Sprachbarriere spielen eine Rolle, warum die Eltern ihren Nachwuchs nicht anmelden. Jedes Jahr werden demnach 1,3 Millionen Neugeborene nicht registriert, von den Kindern, die heute jünger als fünf Jahre alt sind, haben 6,5 Millionen keine Papiere. (saw)