Guatemala |

Mehr als eine Million Kleinkinder unternährt

In Guatemala sind mehr als eine Million Kinder bis fünf Jahren unterernährt und leiden Hunger. Dies geht aus einem Bericht hervor, der kürzlich vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, der Kampagne "Te Toca" und den Zentralamerikanischen Forschungszentrum ICEFI veröffentlicht wurde.

Mit 49,8 Prozent ist fast die Hälfte aller guatemaltekischen Kinder betroffen. Weltweit ist die Ernährungssituation von Kleinkindern nur in fünf anderen Staaten noch schlechter, in Lateinamerika belegt Guatemala damit einen traurigen Spitzenplatz. Dort sind durchschnittlich 15 Prozent der Kinder von Unterernährung betroffen.

Soziale Ungleichheit Ursachedes Hungers

Der Bericht mit dem Titel „Un país desigual. Semillas que no germinan y cosechas que se pierden“ (Ein Land der Ungleichheiten. Samen, die nicht keimen und Ernten, die verloren gehen) hebt hervor, dass die hohen Indizes der Unterernährung das Ergebnis sozialer Ungleichheiten sind. Für viele gebe es nur einen unzureichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Bildung oder einer Altersversorgung durch Renten. Vor allem ländliche Regionen und die indigene Bevölkerung sind besonders stark betroffen.

Während fast 66 Prozent der indigenen Kinder unterernährt sind, reduziert sich der Anteil bei den nicht-indigenen Kindern auf rund 36 Prozent. Ähnliche Zahlen ergeben sich bei einem Vergleich zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Während knapp 59 Prozent der Kinder auf dem Land unterernährt sind, sind es nur 34 Prozent der städtischen Kleinkinder.

Mangelerscheinungen bei 70 Prozent der Neugeborenen

Die Studie weist auch darauf hin, dass viele Neugeborene bereits mit Mangelerscheinungen zur Welt kämen, weil die Mütter sich während der Schwangerschaft nicht entsprechend ernähren könnten. Bei rund 70 Prozent der Babys sei ein solches Szenario wahrscheinlich.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, der durch Unternährung und nachfolgende geistige und physische Unterentwicklung entsteht, wodurch diese Kinder auch später wiederum kaum Chancen hätten, ihre Lebenssituation zu verbessern, fordert die Studie bis 2021 die Umsetzung von Maßnahmen mit Gesamtkosten in Höhe von 1,24 Mio. Euro.

Auch müssten Steuerprivilegien eingeschränkt und Erleichterungen für bestimmte Produktionszweige überdacht werden. Zudem müssten die Verschuldung des Landes und die Prioritäten bei internationalen Hilfsleistungen revidiert werden, um die Ungleichheiten zu verringern. (bh)

Quelle: Adital