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Maya-Frauen wehren sich gegen Mode-Plagiate

Im Süden von Mexiko haben sich Frauen aus dem indigenen Volk der Tseltales zu einer Kooperative zusammengeschlossen, um ihre Arbeit zu fairen Preisen verkaufen zu können. Foto: Adveniat/Escher
Im Süden von Mexiko haben sich Frauen aus dem indigenen Volk der Tseltales zu einer Kooperative zusammengeschlossen, um ihre Arbeit zu fairen Preisen verkaufen zu können. Foto: Adveniat/Escher

In Guatemala stößt das Kopieren von traditionellen Stoffmustern durch internationale Modeunternehmen zunehmend auf Gegenwehr. "Uns schmerzt es zu sehen, wie die Firmen unsere Designs nehmen und sie benutzen, ohne überhaupt ihre Bedeutung zu kennen", zitiert die mexikanische Ausgabe des Online-Magazins "Verne" Marta Julia Puac von der Frauenvereinigung für wirtschaftliche Entwicklung in Sacatepequez (ADEDES) in einem jüngsten Bericht.

Modehäuser würden die bunten Webmuster "in New York und Washington" für "einen hohen Preis verkaufen, und wir bekommen davon nichts zu sehen, nicht einmal Anerkennung", sagt die indigene Kunsthandwerkerin aus der Gemeinde Santiago Sacatepequez im Südwesten Guatemalas rund 25 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Auf dem Etikett würde lediglich "Made in China" stehen. Um für den Schutz des intellektuellen und kulturellen Eigentums der Maya-Gemeinschaften eine Grundlage zu schaffen, hatte ADEDES im Februar 2017 einen Gesetzesvorschlag erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Einmal unter rechtlichen Schutz gestellt, müssten sich Modefirmen und Designer um das Einverständnis der Rechteinhaberinnen bemühen. Auch ein Preis für die Nutzung sowie einen prozentualen Gewinnanteil müssten dann ausgehandelt werden, erklärt Angelina Aspuac, ADEDES-Beauftrage für den Schutz der indigenen Textilien, den Vorstoß. Konkret geändert werden müssten Bestimmungen im nationalen Urheberrecht und im Gesetz über industrielles Eigentum. "Das würde der Arbeit der Weberinnen mehr Würde geben, weil sie heute nicht zu fairen Preisen verkaufen - nicht, weil sie keine Ahnung haben, sondern weil der Markt nicht mehr bezahlt", so Aspuac.

Vorbild der Initiative ist das erfolgreiche Vorgehen einer indigenen Navajo-Gemeinde in den USA. Wegen Verstoßes gegen intellektuelles Eigentum zogen die Ureinwohner 2012 gegen die Modekette "Urban Outfitters" vor Gericht. Das Unternehmen hatte Produkte mit der Bezeichnung "Najavo" auf den Markt gebracht und keinerlei Lizenzen oder Rechtgebühren gezahlt. Wegen des starken Markenschutzes in den USA hätte das Modeunternehmen täglich eine Strafgebühr von 1.000 US-Dollar je Artikel und Ausstellungsstück in den Schaufenstern zahlen müssen. Kläger und Beklagte einigten sich Medienberichten zufolge außergerichtlich auf eine nicht bekannt gegebene Ausgleichszahlung. (bb)