Guatemala |

Massaker an Indigenen

Nachdem im Nordosten von Guatemala bei einer Militäraktion zur Räumung einer Blockade der »Interamericana«-Straße mindestens acht Indigene von Soldaten erschossen worden sind fordern Indigenen-Organisationen den Rücktritt von Präsident Otto Pérez Molina sowie dessen Verteidigungs- und Innenminister. Auf einer Pressekonferenz am Montag in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes forderte die Koordinierungsstelle der Maya-Völker auch die Absetzung des nationalen Menschenrechtsobmanns Jorge de Leon.

Maya-Indigene waren vergangenen Donnerstag gegen die markfreundliche Politik des konservativen Präsidenten und Ex-Militär Otto Pérez Molina auf die Straße gegangen. Die Demonstrationen und Straßenblockaden im Departamento Totonicapán richten sich gegen hohe Stromkosten, vom Kongress geplante Verfassungsänderungen und Reformen im Bildungswesen. Die Indigenen-Organisationen kritisieren die »passive und nachgiebige Haltung gegenüber den Menschenrechtsverletzungen« der Behörden nach dem Vorfall. Neben des Toten gab es über 30 Verletzte, darunter sieben Militärs.

Präsident Pérez Molina hatte in ersten Reaktionen erklärt, die Soldaten hätten nur »in die Luft geschossen«. Zudem kündigte der Regierungschef »tiefgehende« Untersuchungen an, »wir haben nichts zu verstecken«. Die Staatsanwaltschaft ermittelt lokalen Medien zufolge gegen sieben Militärs, die seit Freitag in Untersuchungshaft sitzen. Angaben der Streitkräfte zufolge hätten sie »in Notwehr« gehandelt, nachdem Demonstranten ein Militärfahrzeug angriffen hätten.

Zudem habe es sich bei den Soldaten um unerfahrene »Reservebrigadisten« gehandelt, darunter zwei Frauen, so Verteidigungsminister Edwin Efraín Nájera. »Diese Version der Soldaten vor Ort muss überprüft werden, ob sie wahr ist oder nicht«, erklärte Pérez auf einer Pressekonferenz am Wochenende. Auch die Vereinigten Staaten forderten Einhaltung der Menschenrechte und Konfliktlösung über Dialog, so eine Erklärung der US-Botschaft in Guatemala Stadt.

Seit dem Amtsantritt von Pérez Anfang 2012 wurden über 200 Räumungen von besetzen Ländereien durchgeführt. Das Land öffnet sich derzeit massiv ausländischen Investoren in Bergbau, Landwirtschaft und dem Energiesektor. (bb)