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Mapuche: Mehr als 50 Tage Hungerstreik

Beim ersten Arbeitstreffen zur Entwicklung der Indigenen Angelegenheiten (ADI) zwischen Regierungs- und Mapuche-Vertretern in Temuco wurde Chiles Präsident Sebastián Piñera von dem indigenen Führer Lonko Juan Carlos Curinao aufgefordert, den Dialog mit den politischen Mapuche-Gefangenen zu suchen, die sich seit mehr als 50 Tagen im Hungerstreik befinden und am 10. Oktober ins Krankenhaus eingeliefert worden waren.

Lonko Juan Carlos Curinao und der Leiter der ADI-Treffen, Domingo Marileo, übergaben dem Präsidenten am Dienstag einen offenen Brief, der von allen Teilnehmern des Arbeitskreises unterzeichnet worden ist. Darin fordern sie die Regierung Piñera auf, auf die Forderungen der Hungerstreikenden zu reagieren, berichtet das Portal Azkintuwe.

„Hungerstreik ist kein legitimes Mittel“

„Uns beunruhigt die Kürze, in der alle Fälle von Mapuche abgehandelt werden, gegen die wegen Landforderungen prozessiert wird, vor allem jener, die in Temuco und Concepción in den Hungerstreik getreten sind. Denn viele von ihnen werden nur der Verteidigung ihrer Territorien angeklagt und sind inhaftiert und ihrer Freiheit beraubt, ohne dass es ein Urteil gegeben hätte", heißt es in dem Schreiben.

Piñera wies diese Äußerungen scharf zurück. „Hungerstreik ist kein legitimes Mittel und wird uns nicht davon abhalten dafür zu sorgen, dass der Rechtsstaat respektiert wird", ließ der Präsident verlauten. Die vier inhaftierten Hungerstreikenden Erick Montoya, Rodrigo Montoya, Paulino Levipan und Daniel Levinao wehrten sich am vergangenen Dienstag gegen die Zwangsernährung. Sie befinden sich seit dem 27. August 2012 im Hungerstreik und fordern vom Obersten Gerichtshof eine Revision ihrer Haftstrafen.

Priester der Mapuche-Pastoral unterstützt Dialog

Luis Manuel Rodríguez, Priester der Mapuche-Pastoral kritisierte die Äußerungen Piñeras. Ein Hungerstreik sei „keine beliebige Sache“. Er rief zum Dialog auf und erklärte: „Diese Menschen dürfen nicht sterben, es sind Menschen, die wir nicht verlieren dürfen", zitiert La Nación den katholischen Geistlichen.

Am Montag dieser Woche waren mehr als 3.000 Menschen in der Hauptstadt Santiago einem Aufruf für einen „Marsch des Widerstandes und der Würde der Mapuche“ gefolgt. Die zunächst friedliche Demonstration endete mit gewaltsamen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf 16 Personen festgenommen wurden. Die hatte Polizei Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, nachdem sie von einer Gruppe Demonstrierender attackiert worden sei, die dem anarchistischen Spektrum zuzurechnen seien, so die Behörden. (bh)