Chile |

Mapuche kritisieren Revision des Urteils gegen Polizisten Jara

Katholische Priester des Pastoralbezirks Mapuche haben den Entschluss des chilenischen Militärgerichts zur Revision des Urteils gegen den Polizisten Miguel Patricio Jara heftig kritisiert. Jara war 2011 für den Mord an einem Indigenen des Mapuche-Volkes während einer Auseinandersetzung 2009 im Süden des Landes von dem Militärgericht der Stadt Valdivia zu fünf Jahren Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Der Gerichtsbeschluss besagt, dass der Polizist „in Notwehr“ gehandelt habe. Während der Räumung einer Finca 2009 südlich von Santiago, die von einer Gruppe Indígenas besetzt worden war, feuerte er mit seiner Waffe und verursachte dabei den Tod von Jaime Mendoza Collío, der von der Kugel im Rücken getroffen wurde.

Das Urteil besagt zudem, dass Jara zunächst viermal in die Luft geschossen habe „und erst beim fünften Mal – als er angegriffen wurde – den letzten Schuss in Richtung der Gruppe von Angreifern feuerte – mit dem tragischen Ergebnis, das diesem Beschluss bekannt ist.“

Beweislage sei verfälscht worden

Die kirchlichen Vertreter des Pastoralbezirks Mapuche behaupten, dass die Beweislage verfälscht worden sei, da nachgewiesen wurde, dass die Löcher in der kugelsicheren Weste des Polizisten im Nachhinein hinzugefügt worden waren, um den Anschein eines Angriffs hervorzurufen. Auch die Tatsache, dass Collío am Rücken getroffen wurde, spräche gegen einen Akt der Notwehr.

Der Strafverteidiger, Lorenzo Morales, zeigte sich ebenfalls überrascht von der Entscheidung des Gerichts und bezeichnete sie als einen „juristischen Irrtum“. Er bestätigte, dass er dem Obersten Gerichtshof eine Nichtigkeitsklage einreichen werde, um den Gerichtsbeschluss zu annullieren. „Wir werden alle Versuche unternehmen, nicht nur beim Obersten Gerichtshof, sondern auch vor der Interamerikanischen Kommission, da diese Situation nicht mehr tragbar ist. Für das Urteil der ersten Instanz wurden mehr als sechs ernstzunehmende Gutachten hervor gebracht, die das Handeln Jaras verurteilen“, ergänzt Morales.

Die Vertreter der katholischen Kirche forderten zudem, dass der Fall vor ein Zivilgericht gebracht würde und nicht von einem Militärgericht behandelt werden dürfe. Laut dem 2007 verabschiedeten Gesetz müssten alle Fälle, in denen Zivilisten verwickelt sind, von einem Zivilgericht entschieden werden. Inzwischen kündigten auch die Gemeinden des Mapuche-Volkes Proteste gegen diesen „unaufrichtigen juristischen Prozess voller Unregelmäßigkeiten“ an. (hs)