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Mapuche im Hungerstreik lehnen Angebot ab

Im Streit mit der chilenischen Regierung lehnen die Mapuche-Indianer eine Vermittlung durch die katholische Kirche ab. Dies teilte am Dienstag (Ortszeit) die Sprecherin einer Gruppe von 34 Mapuches mit, die sich seit über 70 Tagen in mehreren Gefängnissen im Hungerstreik befinden. Zur Begründung sagte sie, das jüngste Angebot von Präsident Sebastian Pinera reiche für Gespräche nicht aus. Die chilenischen Ureinwohner sind nach dem sogenannten Antiterrorgesetz inhaftiert.

Sie verlangen von Präsident Pinera, dass das Gesetz aus der Zeit der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) aufgehoben wird. Es ermöglicht unter anderem, Demonstrierende etwa für das Werfen von Molotow-Cocktails wegen "terroristischer Aktionen" unbegrenzt lange und ohne Prozess in Untersuchungshaft zu halten. Weiter können die Angeklagte sowohl vor Zivil- wie Militärgerichte gestellt werden. Viele der Mapuche-Häftlinge sitzen seit Jahren in Haft, nachdem sie im Süden des Landes gegen Landenteignung und Vertreibungen demonstriert hatten.

Die Regierung kritisierte die ablehnende Haltung der Mapuches. Der Erzbischof von Concepcion, Ricardo Ezzati Andrello, der sich als Vermittler angeboten hatte, mahnte die Häftlinge mit Rücksicht auf ihren teils kritischen Gesundheitszustand und ihre Familien zur Beendigung des Hungerstreiks.

Pinera hatte am Freitag im Rahmen der Festlichkeiten zu den 200 Jahre Unabhängigkeit des Landes die Streikenden dazu aufgerufen, den Hungerstreik zu beenden und Gespräche mit Vertretern der Regierung, sozialen Bewegungen und kirchlichen Würdenträger zu führen. Er versprach die Lebensumstände der chilenischen Ureinwohner zu verbessern und sicherte ihnen finanzielle Hilfe zu. Vor rund zwei Wochen hatte Pinera als Geste der Versöhnung bereits eine Gesetzesvorlage in den Kongress eingereicht, die Änderungen am Antiterrorgesetz vorsieht.

In den vergangenen Jahren kam es zwischen Sicherheitskräften und Mapuches wegen des Streits um Landenteignungen mehrmals zu gewalttätigen Konflikten. Die Indianer aus dem Süden Chiles demonstrierten, sperrten Straßen und legten auf Privatgrundstücken Feuer.

Quelle: kna