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Mapuche ersuchen UNO wegen Polizeigewalt um Hilfe

Die Ombudsstelle in Temuco hat nach einer Polizeirazzia in der Mapuche-Gemeinde Wente Winkul Mapu in Südchile die UNO um eine Intervention des Sonderbotschafters für Indigene Rechte ersucht. Bei der Razzia am Morgen des 7. Juni sei die Polizei mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen die Bewohner vorgegangen, heißt es in dem Schreiben. Nach Angaben des Gemeindesprechers Daniel Melinao habe die Polizei beim Einrücken in den Ort Gummigeschosse abgefeuert. Dabei seien zehn Personen verletzt worden, drei von ihnen schwer.

Zehn Personen bei Razzia verletzt

Unter den Schwerverletzten ist auch der 78-jährige Älteste der Gemeinde, Venancio Montoya. Auch zwei Kinder im Alter von zwölf und 15 Jahren hätten Verletzungen davongetragen. Nach Angaben der lokalen Gesundheitsbehörden mussten sieben Mapuche in Krankenhäusern behandelt werden.

Grund für die Razzia waren Haftbefehle gegen Erick Montoya und Eric Nahuelqueo. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt sie mehrerer Straftaten, die im Zusammenhang mit Landkonflikten um die Gemeinde Wente Winkul Mapu begangen worden sind. Montoya wurde schwerverletzt verhaftet. Polizeikräfte erklärten hingegen, sie hätten sich bei der Razzia gegen Angriffe mit „Stöcken und Äxten“ wehren müssen, so das Portal Azkintuwe. Die Gemeinde war vergangenen April in die Schlagzeilen geraten, nachdem bei der letzten Razzia ein Polizist der Spezialeinheit GOPE erschossen worden war.

Grundrechte missachtet

Die Ombudsstelle ersucht den UN-Sonderbotschafter für Indigene Rechte, James Anaya, um eine Intervention bei der chilenischen Regierung, damit die unverhältnismäßige Gewalt der Sicherheitskräfte gegen die Gemeinde gestoppt die Rechte der Mapuche eingehalten werden.

Der nationale Menschenrechtsbeauftragte Georgy Schubert kritisierte den Polizeieinsatz ebenfalls als „unangemessen“. Es sei nicht zu rechtfertigen, dass wegen der Suche nach zwei Verdächtigen unschuldige Bewohner einer ganzen Gemeinde in Mitleidenschaft gezogen und zum Teil schwer verletzt würden, zitiert ihn die chilenische Zeitung „La Nación“. Bei dem Einsatz seien mehrfach Grundrechte der Bürger verletzt worden. Erst vergangenen Januar hatte der Oberste Gerichtshof angemahnt, bei solchen Aktionen ein „angemessenes“ Vorgehen an den Tag zu legen. (bh)