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Mangelnde Sicherheit in Lateinamerika verhindert Investitionen

Das 43. Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos ist am 27. Januar mit einer Rekordbeteiligung von Repräsentanten aus ganz Lateinamerika zu Ende gegangen. Mehr als 112 Politiker, Unternehmensführer und Funktionäre aus elf lateinamerikanischen Ländern diskutierten mit ihren internationalen Kollegen fünf Tage lang über aktuelle Themen der Weltwirtschaft. Während die Riesen Mexiko und Brasilien durch die Abwesenheit ihrer Präsidenten auffielen, zeigten besonders die kleinen Länder ein aktives Auftreten auf dem Wirtschaftskongress in der Schweiz.

Marisol Argueta, lateinamerikanische Regionaldirektorin des WEFs, skizzierte die Situation für Unternehmen in Lateinamerika zunehmend als schwierig. „Mangelnde Sicherheit ist eines der Haupthindernisse für Investitionen und Geschäfte in und mit Lateinamerika“, erwähnte die ehemalige Außenministerin von El Salvador in ihrer Lateinamerikabilanz. Dabei belege Mexiko Platz 137 und Guatemala sogar den letzten Platz einer Liste von 144 Ländern, die von wachsender Unsicherheit betroffen sind. „Dieser Missstand“, so Argueta, „schädigt die Firmen, da zusätzliche Kosten entstehen und die Effizienz des Unternehmens gebremst wird.“ Nach Ansicht von Vertretern des WEFs seien neben der inneren Sicherheit elf weitere Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ausschlaggebend wie Infrastruktur, Bildung, effiziente Behörden und Rechtssicherheit.

Für das meiste Aufsehen unter den lateinamerikanischen Repräsentanten sorgte der guatemaltekische Präsident Otto Pérez Molina. Als Schlüsselfigur der globalen Debatte über eine effektive Politik zur Bekämpfung des Drogenhandels setzt sich der 63-jährige Ex-General schon seit längerem aktiv für eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums ein. Zusammen mit dem mexikanischen Ex-Präsidenten Ernesto Zedillo stellte er am 24. Januar seine Bilanz des Kampfs gegen die Drogen vor. „Nach 50 Jahren Drogenkrieg sehen wir, dass die Kartelle gewachsen sind, genauso wie die Produktion und der Konsum. Deshalb suchen wir nach alternativen Lösungswegen“, so Pérez Molina, der zum ersten Mal am Weltwirtschaftsforum teilnahm.

Das Weltwirtschaftsforum bringt jährlich die internationale Elite aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in den Schweizer Alpen zusammen. Der einflussreiche Kongress bietet immer wieder Anlass zu öffentlicher Kritik seitens der Globalisierungsgegner. Sie betrachten das Treffen als „Symbol des Kapitalismus“, auf dem die Teilnehmer, abgeschottet von der Welt, wichtige Entscheidungen für die zukünftige weltweite Entwicklung nach neoliberalen Konzepten treffen würden. (sck)