Chile |

Männer gegen Männergewalt

Die hohe Gewaltrate gegen Frauen in Lateinamerika und Europa beschäftigen nicht nur Regierungen und feministische Organisationen. Auch Männer haben sich zusammengeschlossen, um physische und psychologische Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. So erfährt die von Männern initiierte Kampagne „Lazo Blanco“ („Weißes Band“) gegen Frauengewalt zunehmend Unterstützung.

Die Kampagne wurde bereits vor 20 Jahren ins Leben gerufen, nachdem am 6. Dezember 1989 14 Studentinnen an der Universität von Montréal in Kanada ermordet wurden. Der Mörder war der Ansicht, dass die Frauen eine Karriere einschlagen, die nur für Männer bestimmt sei. Dieser erschütternde Vorfall bewog einige Männer sich zusammenzuschließen und sich dafür einzusetzen, dass es nicht mehr zu solchen Massakern kommt. Die Kampagne „Lazo Blanco“ hat heute in vielen Ländern Unterstützer gefunden.

Beispiel Chile

Beispielhaft ist etwa der männliche Einsatz gegen Gewaltverbrechen an Frauen in Chile. 15 Männer-Gruppen arbeiten landesweit daran, die männliche Bevölkerung für das Problem zu sensibilisieren und rufen zu Gewaltverzicht auf. Ein Fernsehspot wurde gedreht, Postkarten gestaltet und ein Handbuch herausgegeben mit dem Titel „Junge Männer für ein Ende der Gewalt.“ Es beinhaltet Themen, über die junge Männer zuhause oder in der Schule wenig sprechen, wie etwa Gefühle und starke Emotionen, und zeigt auf, wie Aggressionen und Gewalt vermieden werden können.

In Straßenaktionen wurden Männer dazu aufgefordert, sich ein weißes Band als Zeichen ihres Einsatzes für Gewaltlosigkeit um das Handgelenk zu binden. In Zusammenarbeit mit Frauenzentren fanden mehrere Workshops für Männer statt, die sich verpflichteten, auf jegliche Gewaltanwendungen gegen Frauen zu verzichten. Ähnliche Veranstaltungen mit Gesundheitsexperten und Therapeuten fanden übrigens auch in Brasilien, Chile, Indien und Ruanda statt. Denn Geschlechtergewalt kennt keine geographischen Grenzen. Gewalt gegen Frauen hat auch nichts mit sozialer Stellung oder kultureller Prägung zu tun.

Einige Zahlen

Einer Studie der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und der Karibik (CEPAL) zufolge sind rund 40 Prozent Frauen in dieser Region schon Opfer physischer Gewalt geworden, 60 Prozent leiden an psychischer Gewalt. Zum Vergleich: in Europa haben zwischen 20 und 25 Prozent Frauen physische Gewalterfahrungen machen müssen, mehr als zehn Prozent sind schon einmal sexuell missbraucht worden.

Autorin: Natasha Pitts in: Adital