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Maduros diplomatische Advents-Offensive

Maduro, Venezuela, Öl

Präsident Maduro begrüßt El Salvadors Präsidenten Salvador Sánchez Cerén (Symbolfoto: Presidencia El Salvador/CC0 1.0)

Als die Staatenlenker der G20 in Argentinien zu ihrem Gipfel zusammen kamen, machte sich Nicolás Maduro zu einer ganz eigenen Reise auf. Am 1. Dezember weilte er bei der Amtseinführung von Andrés Manuel López Obrador in Mexiko, zwei Tage später empfing der venezolanische Machthaber daheim in Caracas seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan, und wiederum 48 Stunden später zeigte sich Maduro in Moskau strahlend an der Seite von Wladimir Putin. 
 
Der autokratische venezolanische Staatschef, weitgehend isoliert in Amerika und Europa, bastelt sich derzeit seine ganz eigene Allianz. Die Partner sollten dabei vornehmlich wie er ticken: autoritär und anti-westlich. Und sie sollen Geld haben. Denn nichts brauchen Maduro und sein bankrotter und unter weitgehenden Sanktionen ächzender Ölstaat mehr als Kredite und Solidarität. Und der Staatschef war bei seiner diplomatischen Advents-Offensive durchaus erfolgreich. Mexiko gehörte unter dem früheren Präsidenten Enrique Peña Nieto zu den Staaten Lateinamerikas, die in der „Lima-Gruppe“ die Ausgrenzung und De-Legitimierung der Regierung in Caracas vorantrieben. Unter dem Linken López Obrador, der die Doktrin der Nichteinmischung verfolgt, dürfte sich Mexiko aus der Lima-Gruppe verabschieden. Ganz sicher wird López Obrador nicht wie sein Vorgänger auf Neuwahlen in Venezuela drängen. Schon das ist ein Gewinn.

Unterstützung durch die Türkei

Die venezolanisch-türkische Freundschaft ist noch recht jung. Im September erst weilte Maduro in Istanbul. Man erinnert sich an die Bilder der Völlerei des Staatschefs im Steakhaus des türkischen Internetstars Nusret Gökçe, alias „Salt Bae“ in Istanbul. Daheim kann sich kaum ein Venezolaner noch Fleisch leisten. Die Empörung war groß. Beim Gegenbesuch in Caracas jetzt versicherte Erdogan, sein Land werde „ viele Bedürfnisse Venezuelas weitgehend befriedigen, wir haben die Möglichkeiten dazu“.
 
Sein Land werde in den Bereichen Energie, Bergbau, Landwirtschaft und Gesundheit aushelfen, also den Sektoren, die strategisch für das Überleben der chavistischen Regierung sind. Von einem Volumen von 5,1 Milliarden Dollar ist die Rede. Nach Informationen des venezolanischen Investigativ-Portals „Armando.info“ versorgen die Türken vor allem auch die von der Regierung kontrollierten „Lokalen Komitees zur Versorgung und Produktion“ (CLAP) mit Nahrungsmitteln. Über die CLAP hält Maduro vor in erster Linie treuen Anhänger mit Lebensmittelpaketen und Gütern des täglichen Bedarfs bei Laune. Nach ergänzenden Angaben türkischer Analysten ist Ankara mittlerweile einer der wichtigsten Lieferanten von Lebensmitteln. 

Größter Partner: Russland
 
Zum größten Partner überhaupt von Venezuela aber hat sich inzwischen Russland entwickelt und ist dabei, China den Platz als wichtigstem Handelspartner streitig zu machen. Peking friert sein Engagement angesichts der venezolanischen Zahlungsmoral vorerst ein. Aus Moskau kehrte Maduro jetzt mit einer Zusage über frische Investitionen in Höhe von sechs Milliarden Dollar zurück. Das Geld soll vor allem in den Erdölsektor fließen und die stetig fallende Förderung des Rohstoffs stoppen. Venezuela ist zwar das Land mit den weltweit höchsten nachgewiesenen Ölreserven, aber der Staatskonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) ist nicht in der Lage, diese zu fördern oder neue Felder zu erschließen. In den vergangenen Jahren fiel die Produktion von 3,5 Millionen Barrel pro Tag auf zuletzt etwa 1,5 Millionen Barrel. Dabei ist der Ölexport faktisch die einzige Devisenquelle des Landes. 
 
Aber vor allem der im Maracaibo-See schlummernde Schatz von 300 Milliarden Barrel macht das Land zu einem begehrten Partner. Und Russland und sein Staatskonzern Rosneft spielen hier derzeit die Hauptrolle. Dabei datiert die russisch-venezolanische Kooperation schon von 2006, als der damalige Präsident Hugo Chávez mit Putin in Moskau den ersten Kooperationsvertrag zwischen Rosneft und PDVSA in Höhe von vier Milliarden Dollar unterzeichnete. Seither haben Russland und Rosneft, dessen Aufsichtsrat vom früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder geleitet wird,laut Berechnungen der Agentur Reuters 17 Milliarden Dollar an Investitionen und Kreditlinien überwiesen. Hinzu kommen jetzt die frischen sechs Milliarden Dollar. Im Gegenzug bietet Maduro den Russen lukrative Teilhabe an Öl- und Gasförderprojekten. 

Geopolitik-Schachspiel
 
Für Russland ist das eine Win-Win-Situation. Die Regierung in Moskau nimmt die Einladung aus Caracas zu engerer Zusammenarbeit nicht nur wegen des privilegierten Zugangs zu Rohstoffen, sondern auch aus geopolitischen Überlegungen gerne an. Das Engagement Moskaus im Hinterhof der USA in diesen Zeiten des wiederkehrenden Kalten Krieges ist strategisch Gold wert. So muss man auch die Stationierung der beiden Bomber des Typs TU-160 in Venezuela verstehen, die gewissermaßen im jüngsten Deal als Draufgabe mitkamen. Sie sollen laut offiziellen Angaben an Übungen mit der venezolanischen Luftwaffe teilnehmen. Caracas sieht die Flieger aber auch als Schutz gegen die angeblichen Invasionspläne der USA. 
 
Washington hingegen findet russische Bomber rund 2200 Kilometer südlich von Miami wenig spaßig. Dementsprechend zürnte US- Außenminister Mike Pompeo und sagte: „Das ist das Manöver zweier korrupter Regierungen, die Staatsgelder verschwenden und Freiheit unterdrücken“.

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