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?–lpest als Lehre

Die ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat die Umweltbehörden in Argentinien aufgerüttelt. Um ähnliche folgenschwere Unglücke vor den Küsten des Landes zu verhindern, will die Nationalparkverwaltung (APN) vier neue Meeresschutzgebiete schaffen.

"Die ölpest im Golf von Mexiko in diesem Jahr hat uns gezeigt, dass selbst die modernsten Unternehmen Monate brauchen, um ein Leck abzudichten. Für uns wäre das fatal", sagte der Biologe Santiago Krapovickas im Gespräch mit IPS. Krapovickas koordiniert das Forum für den Erhalt des Patagonischen Meeres.

Das Patagonische Meer im äußersten Südwesten des Atlantiks bietet nicht nur große Erdölreserven, sondern auch eine beeindruckende Biodiversität. Dort sind zahlreiche Säugetier- und Vogelarten sowie Molusken und hoch gehandelte Fischspezies heimisch.

Bisher nur 0,5 Prozent des Meeres Schutzgebiet

Lediglich 0,5 Prozent des Patagonischen Meeres, das sich über rund drei Millionen Quadratkilometer erstreckt, seien als Schutzgebiete ausgezeichnet, für deren Verwaltung keine ausreichenden Finanzmittel zur Verfügung stünden, heißt es in einem 2008 veröffentlichten Bericht des Forums, in dem zehn nationale und internationale Organisationen zusammengeschlossen sind.

Bislang gibt es nur den Meeresschutzpark von Monte Léon in der südlichen Provinz Santa Cruz. Auf der UN-Artenschutzkonferenz im japanischen Nagoya kündigte die argentinische Regierung jedoch Ende Oktober vier weitere Meeresschutzzonen an: den ´Parque Marino Costero Patagonia Austral´ in der Provinz Chubut, Naturparks im Umkreis der Pinguin- und Makenke-Inseln in Santa Cruz sowie den ´Parque Nacional Marino Banco Burdwood´südlich der Inselgruppe der Malvinen.

Argentinien bleibt hinter UN-Zielen zurück

Für die Umsetzung der Pläne werden zwei bis fünf Jahre veranschlagt. Damit wird die Fläche der Meeresschutzgebiete auf rund 13.600 Quadratkilometer vergrößert. damit ist Argentinien seinem Ziel nur unwesentlich näher gekommen, zehn Prozent des Patagonischen Meeres unter Schutz zu stellen, wie im 1992 verabschiedeten UN-Abkommen über biologische Vielfalt bis 2010 festgeschrieben. Argentinien trat dem Abkommen 1994 bei.

"Wir sind ziemliche Nachzügler", kritisierte Flavia Broffoni von der ´Fundación Vida Silvestre Argentina". "Mit diesen Naturparks sind erst 1,5 Prozent der Fläche geschützt." Broffoni mahnte ausreichende Mittel an, die einen langfristigen Artenschutz sicherstellen.

Krapovickas zufolge ist es ausgesprochen wichtig, jede Verseuchung des Meeres mit Erdöl zu verhindern und den Fischfang einzudämmen. Es müsse zum Beispiel gewährleistet werden, dass kleine Fische nicht zufällig mit in die Netze der Fischer gerieten", forderte er.

Enormes Potential

Der Experte wies darauf hin, dass gerade das Meer einen großen Artenreichtum zu bieten habe. In Millionen Kubikmetern Wasser seien unzählige Arten zu finden, von mikroskopisch kleinen Pflanzen bis hin zu großen Säugetieren. Es sei besonders wichtig, Gebiete zu schützen, in denen sich in kommerzieller Hinsicht wertvolle Spezies wie Tintenfische, Riesengarnelen, Krebse und Muscheln vermehren könnten. Als Beispiele für erfolgreichen Artenschutz nannte Krapovickas die Meeresreservation De Hood in Südafrika und das chilenische Schutzgebiet ´Punta del Lacho´ im Pazifik.

In Argentinien ist insbesondere der ´Parque Patagonia Austral´ artenreich. "Dort vermehren sich Riesengarnelen, Seehechte und die Magellan-Pinguine", berichtete der Forscher. In dem rund 1.300 Quadratkilometer großen Gebiet mit etwa 140 Inselchen, die nun geschützt werden soll, kommen Delfine, Kaiserkormorane, Felsenscharben, Königsseeschwalben, Cayenne-Seeschwalben sowie der Riesensturmvogel vor.

Nach Ansicht von Krapovickas ist der Tourismus in dieser Region noch unterwickelt. Dabei hätten die felsigen Küsten, das intensiv blaue Meer und die Inseln mit ihrer reichen Tierwelt ein "enormes Potenzial", um Besucher anzuziehen.

Viele Arten trotz Kälte und Sturm

Auf den Pinguin-Inseln sind unter anderem Felsenpinguine, Seehunde, verschiedene Delfinarten wie der Commerson-Delfin zu Hause. Dort sehen Wissenschaftler auch die besten Chancen, die Spezies zu erhalten, die für den Handel besonders interessant sind. "Das Meer ist hier sehr stürmisch und sehr kalt, dennoch findet man hier viele Arten", sagte Krapovickas. Ähnlich ist die Situation in dem rund 900 Quadratkilometer großen ´Parque Makenke´.

Auch in dem künftigen Schutzgebiet ´Banco Burdwood´ südlich der Falklandinseln (Malvinen) wird eine immense Artenvielfalt vermutet. Krapovickas gab allerdings zu bedenken, dass Argentinien bis jetzt nur wenig Erfahrung bei der Umweltkontrolle weitab der Küsten hat. "Das wird nun eine echte Herausforderung sein", meinte er.

Ein Teil dieser auch an Gas- und Erdölvorkommen reichen Gewässer wird sowohl von Argentinien als auch von Großbritannien beansprucht. Der Streit hatte 1982 bereits zum Falkland-Krieg geführt.

Autorin: Marcela Valente, in: IPS-Weltblick