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Linksnationalist Humala wird neuer Pr?€sident

Bei der Stichwahl am Sonntag hat sich Ollanta Humala mit 50,6 Prozent der Stimmen und einem hauchdünnen Vorsprung gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori durchgesetzt, wie die Wahlbehörde in Lima nach Auszählung von 84 Prozent der Stimmen mitteilte. Fujimori erhielt demnach 49,3 Prozent. Nachwahlbefragungen sahen Humala mit einem Vorsprung von zwei bis fünf Prozentpunkten.

Damit kommt erstmals seit den 70er Jahren wieder die Linke in dem Andenland an die Macht. Zehntausende feierten in der Nacht in Lima und anderen Städten den Sieg ihres Kandidaten. Der 48-jährige Ex-Militär Humala wurde vor allem von den Mestizen und Indigenas aus dem Hochland unterstützt, sowie von zahlreichen Intellektuellen, Linkspolitikern, vom Ex-Präsidenten Alejandro Toledo und von Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

”Der Faschismus ist unterlegen, dies ist ein großer Sieg für die Demokratie”, begrüßte der Schriftsteller den Sieg Humalas und rief ihn dazu auf, die “peruanische Familie” zu versöhnen. Der von Anschuldigungen und Schlägen unter die Gürtellinie geprägte Wahlkampf hatte das Andenland tief gespalten. Unternehmer und die bürgerliche Presse hatten sich auf die Seite Fujimoris gestellt.

Der erste, der Humala gratulierte, war der chilenische Präsident Sebastián Piñera – da hatte die Unterlegene Keiko Fujimori noch nicht einmal ihre Niederlage eingeräumt. Und auch Humala wartete mit seiner Ansprache bis kurz vor Mitternacht. Seinen jubelnden Anhängern versprach er eine Regierung der nationalen Einheit zu schaffen, die Korruption zu bekämpfen und das rasante Wirtschaftswachstum in den Dienst der sozialen Entwicklung zu stellen. “Ein Krankenhaus in jeder Provinz, hervorragende Bildung für alle, Kinderkrippen für die arbeitenden Mütter, würdige Gehälter für die Polizisten, das sind die Gründe, weshalb ich heute hier stehe”, rief Humala in die Menge auf dem Platz des 2. Mai.

Peru ist in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich sieben Prozent jährlich gewachsen. Doch in vielen Teilen des Landes kam davon nur wenig an. Ein Drittel der Peruaner leben weiterhin unter der Armutsgrenze. Gleichzeitig nahmen die Konflikte in rohstoffreichen Gebieten zu, die Mordrate hat sich in einem Jahrzehnt verdreifacht, der Drogenhandel ist aufgeblüht.

Humala wird von ausländischen Investoren wegen seiner Nähe zum venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, den angekündigten Steuererhöhungen und seinen Ideen von einem starken Staat mit Vorbehalt gesehen. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung, erklärte dagegen sein Wirtschaftsberater Felix Jimenez. Die Haushalts- und Geldpolitik werde verantwortungsvoll gehandhabt werden. Humalas erste Herausforderung wird es sein, eine mehrheitsfähige Koalition im Kongress zu schmieden.

Sandra Weiss