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Lima-Gruppe wirft Venezuela Foltermord vor

In Venezuela soll ein festgenommener Marineoffizier in Gewahrsam zu Tode gefoltert worden sein. Das werfen zahlreiche Staaten der Region der Regierung Maduros vor. Die will die Vorwürfe untersuchen lassen.

Außenminister der Lima-Gruppe bei einem Treffen im April. Foto: picture-alliance/dpa/Agencia Uno/S. B. Gaete    

Nach dem Tod des Korvettenkapitäns Rafael Acosta Arévalo werfen Staaten der Lima-Gruppe den venezolanischen Behörden Folter vor. Acosta Arévalo sei am 21. Juni von bewaffneten Männern festgenommen worden und eine Woche später mit sichtbaren Zeichen von Folter am Körper vor einem Richter erschienen, teilte der amerikanische Staatenbund mit. Am Samstag sei er in einem Krankenhaus gestorben. Die Gruppe verurteile den Mord sowie die andauernde Praxis willkürlicher Festnahmen und Folter des Maduro-Regimes an Oppositionellen. Zuvor hatte Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó die Foltervorwürfe erhoben. Der Korvettenkapitän sei "brutal gefoltert" worden, erklärte der selbsternannte Übergangspräsident im Onlinedienst Instagram. Er sprach von einem "abscheulichen Verbrechen".

Der Lima-Gruppe gehören - neben der selbsternannten venezolanischen Interimsregierung um Guaidó - 13 Staaten an, die Guaidó als Interimspräsidenten des südamerikanischen Landes anerkennen und Maduro jegliche Legitimität absprechen. Darunter sind Brasilien, Argentinien und Kanada. Auch der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, verurteilte den "kriminellen Mord" an Acosta Arévalo.

Maduros Informationsminister, Jorge Rodríguez, veröffentlichte auf Twitter eine Mitteilung, wonach Maduro seinen Generalstaatsanwalt aufgefordert habe, den "bedauerlichen" Todesfall zu untersuchen. Acosta Arévalo sei unter anderem schwerer Terrorakte beschuldigt gewesen.

Putschvorwürfe gegen Militärs und Guaidó

Acosta Arévalo war einer von 13 Militärangehörigen, die wegen eines angeblichen Komplotts gegen den linksgerichteten Staatschef Nicolás Maduro festgenommen worden waren. Die Regierung in Caracas hatte am Mittwoch erklärt, einen Putschversuch vereitelt zu haben. Mehrere Offiziere hätten mit Unterstützung der USA, Kolumbiens und Chiles ein Attentat auf Maduro geplant. Kommunikationsminister Rodríguez warf auch Guaidó eine Verwicklung in die angeblichen Putschpläne vor. Der selbsternannte Übergangspräsident wies die Anschuldigungen zurück.

Guaidó versucht seit Monaten, Maduro von der Macht zu verdrängen. Ende April war ein Putschversuch von Teilen der Streitkräfte gegen Maduro gescheitert. Der umstrittene Staatschef kann nach wie vor auf den Rückhalt der Militärführung zählen und wird unter anderem von Russland unterstützt. Zudem stehen vor allem arme Bevölkerungsgruppen zu Maduro. Das Land mit den größten bekannten Ölreserven der Welt ist in den vergangenen Jahren in eine tiefe Wirtschaftskrise gerutscht. Viele importierte Waren des täglichen Lebens sind kaum noch erhältlich, die Landeswährung ist völlig entwertet.

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