Peru |

Lieber nicht vom groüen Bruder lernen

Manchmal ist es nicht so gut vom großen Bruder zu lernen. Cesar Gamboa, peruanischer Umweltschützer der NGO Derechos Ambientales y Recursos Naturales warnt vor den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt durch das Energieabkommen zwischen der brasilianischen und der peruanischen Regierung. Darin geht es um den Bau von insgesamt fünf Staudämmen im peruanische Teil des Amazonasregenwaldes. Kostenpunkt: 25 Milliarden Reais, mehr als 10 Milliarden Euro. Gebaut werden sollen die Dämme von brasilianischen Unternehmen.

Bei der undemokratischen Umsetzung des Projektes folge Peru dabei leider dem Vorbild Brasiliens, so Gamboa in einem auf der Webseite des katholischen Indiomissionsrates CIMI veröffentlichten Interview. Das Abkommen soll am 15.Juni im brasilianischen Manaus unterschrieben werden. Gamboa kündigte an dass aus diesem Anlass peruanische und brasilianische Umweltschutzgruppen gemeinsame Protestaktionen durchführen werden.

“Die progressiven Regierungen wie die peruanische und brasilianische geben stets der Wirtschaft den Vorrang und betrachten nicht ganz grundlegende Aspekte, wie die Umwelt und die Agenda für den Klimaschutz. Und ihre politische Rhetorik ist frei von kohärenter Politik für die zukünftigen Generationen,” so Gamboa.

Gamboa sieht in dem Abkommen einen Verfassungsbruch. Laut der peruanischen Verfassung müssten die Bauprojekte vom Kongress abgesegnet werden, was jedoch nicht geschah. Auch würde, genau wie bei den brasilianischen Staudammprojekten Belo Monte am Xingu-Fluss und Jirau am Rio Madeira, entgegen der Verfassung darauf verzichtet, die Projekte mit den betroffenen indianischen Völkern abzusprechen. Zudem habe man auch dort nicht die Konsequenzen für die Umwelt und die Menschen ernst genug genommen. Nun würde Peru genau diese Fehler Brasiliens nachmachen.

Zwar habe man mit den brasilianischen Partnern des Projektes, dem Ministerium für Minen und Energie sowohl dem brasilianischen Außenministerium Kontakt aufgenommen, um auf die Risiken für Menschen und Umwelt hinzuweisen. Diese hätten daraufhin zwar Änderungen am Projekt vorgenommen, laut Gamboa allerdings “nichts als Make-up”.

Als Beispiel für die entstehende Problematik nannte Gamboa den Staudamm am Inambari-Fluss im peruanischen Dschungel. Der Betreiber, die brasilianische Eletrobras, würde vollkommen ignorieren, dass eine Aufstauung des Flusses sowohl das ökosystem der Region aus dem Gleichgewicht bringt sowie die lokale Bevölkerung von ihren Ländern vertreibt.

“Perus Regierung priorisiert die wirtschaftliche Entwicklung, aber rechnet nicht die zukünftigen Kosten eines derartigen Eingriffs mit hinein. Das ist eine sehr einseitige Sichtweise der Realität,” so Gamboa. “Wir wollen dass die Unternehmer sich dessen bewusst werden und die Kosten für Umwelt und Menschen in ihre makro- ökonomischen Berechnungen mit einbeziehen.”


Autor: Thomas Milz