Peru |

Leichen von Bürgerkriegsopfern aus Massengrab geborgen

Am Dienstag, den 3. Dezember, haben Forensiker in einem Massengrab in der abgelegenen Region Chungui am Osthang der peruanischen Anden die sterblichen Überreste von zwei Frauen und 13 Kindern geborgen. Die Opfer wurden vor 27 Jahren in der Siedlung Huallhua von Soldaten bei einem Massaker ermordet. Die Armee beschuldigte damals die Bewohner, mit der terroristischen Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" (Sendero Luminoso) zusammengearbeitet zu haben.

Nach Angaben der Wahrheitskommission sind im Zuge des Bürgerkrieges, der Peru von 1980 bis 2000 erschütterte, mindestens 70.000 Menschen ums Leben gekommen. Etwa die Hälfte der Opfer sei durch die Rebellen und etwa ein Drittel durch Sicherheitskräfte ermordet worden, so die Wahrheitskommission. Mindestens 15.700 von ihnen sollen in anonymen Massengräbern liegen.

Verschleppte Aufarbeitung

In der dünnbesiedelten Region Chungui (Departement Ayacucho) sollen mindestens 1.384 Personen im bewaffneten Konflikt gestorben sein, rund 200 davon sollen jetzt exhumiert und umgebettet werden. "Wir alle hier haben ein Trauma und wer das verneint, der lügt", zitiert die Nachrichtenagentur TeleSur den 36-jährigen Bauern Valentín Casa, der die Exhumierung beobachtete. Casa konnte sich damals verstecken und überlebte. Eine der jetzt geborgenen Frauenleichen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Mutter.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder, dass die Aufarbeitung und Exhumierung von den Behörden verschleppt werde und zu langsam vonstatten gehe. So erklärt die peruanische Menschenrechtsorganisation Comisedh in einem 2012 veröffentlichten Bericht, dass die Bergung der Opfer noch 80 Jahre und die Identifizierung der Toten noch länger dauern werde, wenn sich an der derzeitigen Geschwindigkeit der Aufarbeitung nichts ändere.

Viele Massengräber noch nicht untersucht

Im Distrikt Chungui begannen forensische Anthropologen im November 2012 mit ihrer Arbeit. Bewohner der Region konstatieren, dass sie immer wieder auf menschliche Überreste stoßen, allerdings sind nur wenige Gräber überhaupt von Experten untersucht worden. Um nach Huallhua zu gelangen, mussten die Experten einen 18-stündigen Fußmarsch absolvieren.

An den östlichen Hängen der Anden, wo die Berge hin zum tropischen Regenwald abfallen, waren die maoistisch orientierten Rebellen des Leuchtenden Pfads besonders aktiv. In dieser dünn besiedelten und nur schwer zugänglichen Region haben sich daher auch besonders viele der grausamen Menschenrechtsverletzungen während des internen Konflikts zugetragen. (bh)