Chile |

Lehrer protestieren gegen Rauswurf von 3.000 Schülern

Die chilenische Lehrervereinigung hat sich in einer Protestnote an Bildungsminister Harald Beyer dagegen verwehrt, dass Schüler wegen ihrer Teilnahme an den Protestaktionen für eine bessere und kostenlose öffentliche Bildung von der Schule geworfen werden. Betroffen sind nach Angaben des Vorsitzenden der Vereinigung, Jaime Gajardo, rund 3.000 Schüler. Vor allem an Schulen in Providencia, Ñuñoa und Santiago de Chile, die von den Schülern mehrere Monate besetzt worden waren, sei dies der Fall. Auch mehreren hundert im Bildungsstreik aktiven Lehrern seien blaue Briefe ins Haus geflattert.

„Das ist eine politisch motivierte Maßnahme, über die gesprochen werden muss“, kritisierte Gajarado das Stillschweigen der Regierung zu diesem Vorgehen, das er als „Abstrafungsaktion“ bezeichnete.

„Marsch der Huren“

Zusätzlich angeheizt wurde die Situation in Ñuñoa durch die Äußerung des Bezirksbürgermeisters Pedro Sabat, der nach der Räumung eines besetzten Gymnasiums gesagt hatte, das dazugehörige Internat sei während der Besetzung ein „Bordell“ gewesen, da Mädchen und Jungen dort gemeinsam gewohnt hatten. Daraufhin demonstrierten Mitte Januar rund 400 Schülerinnen, Schüler, Lehrer und Eltern mit einem „Marsch der Huren“ in Ñuñoa. Als die Demonstrierenden den Verkehr blockieren wollten, sei die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfen gegen die Protestierenden vorgegangen, berichtet „El Mostrador".

In Chile fordern Schüler, Studenten und Lehrer seit mehr als acht Monaten unter anderem mit Demonstrationen und Schulbesetzungen den Stopp der Privatisierung der Bildung. Sie wollen eine qualitativ hochwertige und kostenlose öffentliche Bildung durchsetzen. Verhandlungen zwischen Regierung und Protestierenden wurden immer wieder abgebrochen. (bh)