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Legalisierung von Drogen erneut debattiert

Mexiko-Stadt. Nun geht sogar die Polizei auf die Barrikaden: In Ciudad Juarez entlud sich am Wochenende der Zorn über den Drogenkrieg, der immer blutiger wird. 200 Polizisten stürmten ein Hotel und verhafteten den eigenen Polizeichef Salomon Alarcon Olvera, weil er angeblich für die Drogenmafia arbeitet. In der nordmexikanischen Grenzstadt, die als Epizentrum der Gewalt gilt, kamen seit Jahresbeginn 1.700 Menschen im Drogenkrieg ums Leben. Vor allem die Polizisten leiden unter dem Terror.

"Genug", sagt Mexikos Ex-Präsident Vicente Fox und forderte am Montag die Entkriminalisierung der Rauschmittel: "Wir müssen darüber nachdenken, die Herstellung, den Handel und den Verkauf von Drogen zu legalisieren", teilte der Amtsvorgänger und konservative Parteifreund des amtierenden Präsidenten Felipe Calderon auf seiner Internetseite mit. Seine Begründung: Zu viele Menschen seien bereits im Drogenkrieg gestorben, die Kosten zu hoch und das Militär nicht für solche Aufgaben zuständig.

Es ist zwar nicht das erste Mal, dass ein Politiker die Legalisierung von Drogen fordert, aber erstmals kommt die Forderung aus dem Mund eines Konservativen. Die Idee, die hinter dem Vorschlag steckt, ist denkbar einfach: Man will dem Drogenhandel den finanziellen Anreiz entziehen. Denn wenn Drogen legal und damit einfach zu beschaffen wären, sänke deren Preis.

Schließlich funktioniert das Geschäft der Drogenmafia so: Je härter die Gesetze werden und je schwieriger es wird, die Ware an den Kunden zu bringen, desto höher werden Preis und Einnahmen. Der Verlust von Menschenleben wird dabei in Kauf genommen. Die US-Drogenbehörde hat einmal ausgerechnet, dass allein aus Kolumbien pro Jahr Kokain im Marktwert von rund 100 Milliarden US-Dollar auf den nordamerikanischen Markt strömen. Die immensen Gelder nutzen die Drogenkartelle auch um Privatarmeen auszustatten, die den regulären Sicherheitskräften längst haushoch überlegen sind.

Wenn ein Gramm Kokain allerdings nicht mehr 50 oder 100 US-Dollar wie derzeit auf dem Schwarzmarkt kosten würde, sondern ganz legal für nur einen oder zwei Dollar zu bekommen wäre? Dann könnte sich die Produktion der Drogen irgendwann nicht mehr lohnen. Kritiker befürchten allerdings, der freie Zugang zu Kokain oder Marihuana könnte noch mehr Jugendliche in die Abhängigkeit stürzen.

Die katholische Kirche in Mexiko verfolgt die Diskussion mit großem Interesse. Erzbischof Jose Luis Chavez Botello forderte die Gläubigen seiner Diözese Oaxaca dazu auf, an der Debatte aktiv teilznehmen. "Eine solche Diskussion ist positiv", zitierte ihn die Tageszeitung "Tiempo" (Dienstag).

Auch Präsident Felipe Calderon hört sich die Stimme der Kirche genau an. Am Montag traf er sich mit der Spitze der mexikanischen Kirche zum Gespräch. Thema des Treffens: "Dialog für mehr Sicherheit." Mehr als vier Stunden lang debattierte Calderon mit Kardinal Norberto Rivera Carrera und anderen Bischöfen. Auf Ihrer Internetseite teilten die Bischöfe noch in der Nacht mit, dass sie die Bereitschaft Calderons, eine Debatte über die Legalisierung der Drogen zu führen, ausdrücklich begrüßen. Allerdings legte sich die Kirche noch nicht fest, welchen Kurs sie selbst einschlagen wird. Das Für und Wider müsse anerkannt und abgewägt werden. Aber allein diese Debatte zu führen, sei ein erster wichtiger Schritt, schreiben die Bischöfe: "Herzlich willkommen in einer Diskussion, die uns die Kultur der Debatte eröffnet."

Autor: Tobias Käufer / KNA