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Lateinamerikas Kirche zum Papst-Rücktritt: „Wie ein Blitzeinschlag“

Die Nachricht vom Amtsverzicht Papst Benedikts XVI. hat Lateinamerika am frühen Morgen (Ortszeit) überrascht. Nahezu alle wichtigen TV-Sender unterbrachen ihr Morgenprogramm, um über die neuesten Entwicklungen zu berichten. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat in Bogota die ersten Reaktionen von Kirchenvertretern aus Lateinamerika zusammengestellt:

Kardinal Dario Castrillon Hoyos (83, Kolumbien): "Papst Benedikt XVI. hat uns mit seinem Rücktritt überrascht. Der Schritt verdient Respekt und muss von niemand außer Jesus Christus akzeptiert werden. Der Rücktritt des Heiligen Vaters ist ein großer Schmerz für uns alle."

Weihbischof Silvio Jose Baez Ortega, Generalsekretär der Nicaraguanischen Bischofskonferenz und Weihbischof in Managua (54): "Wir sind überrascht und traurig über den Rücktritt des Papstes. Er war ein großer Pontifex. Wir sind nicht an den Rücktritt eines Papstes gewöhnt, aber seit Beginn seiner Amtszeit ist der gesamten römischen Kurie sein fortgeschrittenes Alter und sein Gesundheitszustand bewusst gewesen."

Erzbischof Diego Padron von Cumana, Vorsitzender der Venezolanischen Bischofskonferenz (73): "Mit seinem Rücktritt gibt der Papst ein gutes Beispiel. Sein Körper gibt nicht mehr her. Es gibt keine Macht nur um der Macht willen. Damit will ich sagen: Die Kirche wird nicht von Menschen regiert, sondern von Christus."

Erzbischof Baltazar Enrique Porras Cardozo von Merida/Venezuela (68): "Ich glaube nicht, dass es eine Eigenschaft von Benedikt XVI. ist, Einfluss auf seine Nachfolge zu nehmen. Er war immer jemand, der sich von Gerüchten und Spekulationen ferngehalten hat. Ich glaube nicht, dass eine Entscheidung wie die Papstwahl manipuliert werden wird."

Erzbischof Jose Domingo Ulloa Mendieta von Panama-Stadt/Panama (56): "Uns alle hat das überrascht - aber der Heilige Vater hat damit seine Demut und Größe bewiesen. Ich glaube, wegen seines Alters war es für ihn sehr schwierig, Nachfolger der großen Figur von Johannes Paul II. zu sein, der mit seinem Pontifikat die Welt gewonnen hat."

Kardinal Juan Luis Cipriani, Erzbischof von Lima/Peru (69): "Der Papst hat aus verschiedenen Gründen sehr gelitten. Sein Alter ist fortgeschritten. Ich glaube nicht, dass er eine Krankheit hat. Sein Rücktritt ist ein heroischer Akt von größter Aufrichtigkeit."

Erzbischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno von Huancayo und Vizepräsident der Peruanischen Bischofskonferenz (68): "Der Rücktritt ist eine Demonstration seiner spirituellen Größe, weil er zugleich gesagt hat, dass der Wandel in der Welt eine körperliche und spirituelle Kraft nötig macht, die ihm seine Gesundheit nicht mehr ermöglicht."

Erzbischof-Koadjutor Edmundo Valenzuela Mellid von Asuncion/Paraguay (68): "Uns alle hat das überrascht. Das war wie ein Blitz, der über unseren Köpfen eingeschlagen ist und uns das Blut in den Adern gefrieren lässt."

Hugo Valdemar Romero, Sprecher der Erzdiözese Mexiko-Stadt/Mexiko (55): "Das war für uns ein Schock und eine enorme Überraschung. Wir haben mit diesem Rücktritt nicht gerechnet."

Prälat Bernd Klaschka (66), Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat: "Die Ankündigung vom Rücktritt des Heiligen Vaters hat mich sehr überrascht und tief bewegt. Ich bin dankbar für das Wirken des Papstes - insbesondere mit Blick auf die Weltkirche. Zum Abschluss seiner Lateinamerika-Reise 2012 forderte Benedikt XVI. auf Kuba mehr Freiheiten für die katholische Kirche. Diese Freiheit würde den Christen ermöglichen, einen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft, zu Frieden und zu harmonischer Entwicklung zu leisten. Im Beisein von Staatspräsident Raul Castro rief der Papst den Menschen zu, dass Kuba und die Welt Veränderungen brauchen. Mit diesem Ausruf sprach der Heilige Vater Hunderttausenden aus dem Herzen."