Haiti |

Lateinamerikanische Solidarität

Der lateinamerikanische Bischofsrat CELAM hat nach dem verheerenden Erdbeben zur Solidarität mit Haiti aufgerufen: Die sozialen und karitativen Organisationen müssten wie die Kirche nun ihre Unterstützung für das haitianische Volk zeigen, hieß es in einer am Wochenende in Bogota verbereiteten CELAM-Erklärung.

Durchweg alle lateinamerikanischen Kirchen kündigten Hilfsprogramme und Sonderaktionen für die haitianische Bevölkerung an: Mehr als 5000 Pfarreien in Kolumbien beteiligten sich an Hilfsaktionen, teilte die kolumbianische Bischofskonferenz mit. In Ecuador werden wie in fast allen Kirchen des Kontinents Spendensammlungen für die Erdbebenopfer organisiert. Eine nationale Kollekte ist zudem für den kommenden Sonntag geplannt. Einige Bischofskonferenzen richteten Sonderkonten für eingehende Spenden der Gläubigen ein.

Das Erzbistum von Miami kündigte nach einem Bericht der BBC an, rund 14.000 Waisenkinder aus Haiti in die USA holen zu wollen: "Angesichts der Außmaße dieser Katastrophe ist es eine der ersten Prioritäten, diese Kinder in die USA zu bringen", sagte Bistumsmitarbeiter Randolph McGrorty in einer Pressekonferenz. Man werde die US-Regierung bitten, die Kinder mit einem speziellen humanitären Visum einreisen zu lassen. (tk)

Viele lateinamerikanische Regierungen stellen Mittel, Personal und Güter zur Verfügung

Einen Tag nach der Katastrophe entsandte der Präsident der Dominikanischen Republik Leonel Fernandez das erste Notfallteam. Es bestand vornehmlich aus medizinischem Personal. Seinem Beispiel folgte nahezu jedes lateinamerikanische Regierungsoberhaupt. Rettungsteams aus zahlreichen Ländern der Region befinden sich inzwischen auf Haiti. Abgesehen von medizinischem Personal und Katastrophenspezialisten senden die verschiedenen Präsidenten auch Medikamente und Blutkonserven. So hat beispielsweise die bolivianische Regierung am 13.Januar eine Blutspendeaktion eigens für die Opfer der Katastrophe auf Haiti ins Leben gerufen. Dies soll die Versorgung der vielen Verletzten erleichtern.

Doch in der Hauptstadt Port au Prince fehlt es nicht nur an adäquater medizinischer Versorgung, sondern ebenfalls an allen lebensnotwendigen Gütern. Tausende Haitianer hungern, denn viele der Supermärkte liegen in Trümmern. Auch die Wasserleitungen sind zerstört worden, so dass es an Trinkwasser fehlt. Aus diesem Grund haben die Staatschefs von Brasilien, Argentinien, Ecuador und Chile jeweils mehrere Tonnen Nahrungsmittel und Wasser zur Verfügung gestellt. Damit all diese Hilfsgüter ihren Bestimmungsort erreichen können, stellte die jamaikanische Regierung alle Flughäfen der Insel zur Verfügung. Die normalerweise anfallenden Landegebühren wurden erlassen.

Neben Sachleistungen gibt es auch finanzielle Unterstützung für die Opfer des Bebens. Der mexikanische Präsident Felipe Calderón hat acht Millionen US-Dollar Soforthilfe zugesagt. Die „Organisation der Amerikanischen Staaten“ (OAS) überreichte eine Spende von 100.000 US-Dollar.

Das kolumbianische Staatsoberhaupt Álvaro Uribe Vélez hat außerdem auf die Wichtigkeit des Wiederaufbaus hingewiesen. Zu diesem Zweck sei es seiner Meinung nach am effektivsten, einen internationalen Wiederaufbauplan zu verabschieden. Dies verkündete er am Freitag (15.1.). Uribe schlug vor, dass jedes hilfsbereite Land eine bestimmte Aufgabe übernimmt. So könnte beispielweise Kolumbien für den Wiederaufbau von Wohnhäusern zuständig sein. Außerdem sollten internationale Organisationen und multilateral Banken die Koordination des Wiederaufbaus leiten. Dieses Modell verfolgt die kolumbianische Regierung selbst schon seit über zehn Jahren. Das Land ist ebenfalls häufig von Erdbeben betroffen. (amj)

Die Bolivianische Bischofskonferenz hat Ende Januar Spenden per SMS ermöglicht. Zusammen mit der Telefongesellschaft Viva wurde die Nummer 2255 eingerichtet. Jede SMS mit dem Text "Haiti" an diese Nummer bedeutet eine Spende über 2,50 Bolivianos. Das Geld wird automatisch vom Konto des Kurznachrichten-Absenders abgebucht. Die Nummer soll für eine unbegrenzte Zeit für Spenden nutzbar sein.

Hilfe von Adveniat-Projektpartnern

Auch viele Adveniat-Projektpartner – neben den Bischöfen und Priester auch Ordensleute und Laien - in ganz Lateinamerika haben ihre Solidarität mit den Haitianern ausgedrückt und zu Spenden und Solidaritätsgottesdiensten aufgerufen. So haben etwa die Lasalle-Ordensbrüder in Argentinien in ihrem Land neben unmittelbarer Katastrophenhilfe konkret auch für die Unterstützung zur Einrichtung einer provisorischen Schule in Port au Prince geworben, in der Kinder und Jugendliche Unterricht und medizinische Versorgung erhalten können. Adveniat-Projektpartner Centro Nueva Tierra hat sofort seine Hilfe angekündigt.