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Lateinamerika in Leinen gebunden

Auf Entdeckungstour: Schülerpraktikantin Marie-Theres in der Adveniat-Bibliothek.
Auf Entdeckungstour: Schülerpraktikantin Marie-Theres in der Adveniat-Bibliothek.

Vierter Stock der Adveniat-Geschäftsstelle in Essen. Hinter einer gewöhnlichen Bürotür eröffnet sich den Besuchern eine in Leinen gebundene Welt: die Spezialbibliothek des Lateinamerikahilfswerkes stellt 23.000 Bücher bereit. Interessierte finden dort eine große Auswahl an Literatur rund um Lateinamerika und die Karibik, nach Themen wie Kirche und Theologie, Gesellschaft und Kultur sortiert. Viele Bücher sind in spanischer, portugiesischer und französischer Sprache geschrieben, es gibt sogar Bände in indigenen Sprachen.

Zuerst fällt der Blick auf zahlreiche Lexika, die eine grundlegende Recherche in den unterschiedlichen Themenbereichen ermöglichen. Insbesondere bei der Suche nach Informationen zu Lateinamerika wird man schnell fündig: Die Bibliothek beinhaltet eine große Zahl an Reiseführern und -berichten, Bildbänden und Literatur über die Kultur Lateinamerikas; beispielsweise über die indigenen Völker Lateinamerikas, wie die Maya oder die Inka.

Außerdem umfasst die Bibliothek diverse Schriften zum Thema Theologie, Kirche, Ordensgemeinschaften, kirchliche Hilfswerke etc. in Form von Nachschlagewerken, Katechismen, Broschüren, Zeitschriften und Biografien von großen Persönlichkeiten aus Kirche, Geschichte und Politik. Zusätzlich werden viele Zeitschriften ausgewertet und wichtige Artikel zu Dokumentationen gebunden. Schließlich gibt es in der Bibliothek aber auch Unterhaltungsliteratur für unterschiedliche Altersstufen: Leseratten finden hier Romane, Erzählungen, Krimis und Poesie von lateinamerikanischen Autoren.

In einem Gespräch erzählt Michael Huhn, der Bibliothekar und Lateinamerikaexperte bei Adveniat ist, dass die Bibliothek in ihrer heutigen Form seit 1982 existiert früher sei dies ausschließlich eine Dienstbibliothek gewesen. Heute nutzen die Adveniat-Mitarbeiter die Bibliothek, um Informationen für Länderprofile oder bevorstehende Reisen zu finden. Zudem leihen sich häufig Studenten und Schüler deutsche und spanische Literatur zum Thema Lateinamerika aus, die beispielsweise für die Erstellung einer Facharbeit benötigt werden.

Die Bibliothek steht jedem Besucher offen, die Ausleihzeit beträgt im Regelfall sechs Wochen. Die Leser werden von Michael Huhn betreut, der berät und Bücherlisten zusammenstellt. Zudem erklärt Michael Huhn, dass das Besondere an der Adveniat-Bibliothek die große Zahl der Zimelien ist; hierzu gehören die zahlreichen Doktorarbeiten von Stipendiaten oder die sogenannte „graue Literatur“. Diese einmaligen Werke, die keine üblichen Verlagswege gehen, seien wie geschaffen für wissenschaftliche Arbeiten.

Etwa die Hälfte der Bücher erreichen Adveniat als Beleg- oder Rezensionsexemplare, Geschenke oder mithilfe von Dublettentausche. Die andere Hälfte kauft der Bibliothekar - dazu durchforstet er Verlagskataloge, Internetseiten und sogar Antiquariate. Sämtliche Bücher werden erfasst, katalogisiert und - das ist eine Besonderheit - mit einem Kommentar zum Inhalt in die Bibliothekssoftware eingespeichert.

In der Adveniat-Bibliothek gibt es keinen großen historischen Buchbestand, die ältesten Exemplare (Mitte 18. Jhd.) stehen im Büro von Michael Huhn. Und in seiner Schreibtischschublade schlummert sogar ein besonderer Schatz: ein Buch mit Originalwidmung des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI. Michael Huhns Antwort auf die Frage, ob er jedes Buch in der Adveniat-Fachbibliothek bereits gelesen hat lautet: „Leider nicht aber ich würde es genießen!"

Marie-Theres Stickel