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Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat blickt mit Sorge auf Mexiko

Reiner Wilhelm ist Mexiko-Experte beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Foto: Adveniat
Reiner Wilhelm ist Mexiko-Experte beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Foto: Adveniat

"Der Frieden in Mexiko steht auf dem Spiel", sagte der zuständige Länderreferent des Lateinamerika-Hilfswerkes Reiner Wilhelm am Donnerstag, 28. Juni 2018, in Essen.

Der Adveniat-Experte verwies auf eine Welle der Gewalt. Seit Beginn des Wahlkampfes im vergangenen September seien 120 Politiker oder Amtsanwärter getötet worden; davon unabhängig sei das Jahr 2017 mit insgesamt 29.168 Morden eines der blutigsten in der Geschichte Mexikos gewesen. Zugleich sei die Straflosigkeit "erschreckend hoch", so Wilhelm. Rund 95 Prozent der Morde würden nicht geahndet.

Am Sonntag entscheiden die fast 90 Millionen Wahlberechtigten über 18.299 Wahlämter auf nationaler, bundesstaatlicher und lokaler Ebene, darunter das Amt des Präsidenten, die Sitze aller Abgeordneten (500) und der Senatoren (128) des nationalen Kongresses, acht Gouverneure und der Regierungschef von Mexiko-Stadt. Erstmals sind bei dem Mammut-Wahlgang unabhängige Präsidentschaftskandidaten zugelassen.

Bundesregierung soll sich für Rechtsstaatlichkeit einsetzen

Die organisierte Kriminalität habe inzwischen alle Bereiche des öffentlichen Lebens unterwandert, so der Adveniat-Länderreferent. "Die entscheidende Frage wird sein, wie der künftige Präsident die zentralen Themen Rechtsstaatlichkeit, innere Sicherheit, Bekämpfung der Korruption und des Drogenhandels, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Entwicklung angehen will." Wilhelm rief die Bundesregierung auf, sich entschieden für rechtsstaatliche Reformen einzusetzen. Dies könne beispielsweise im Rahmen der Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen zwischen Europäischer Union und Mexiko geschehen.

Scharfe Kritik übte der Adveniat-Vertreter an den Geschäftspraktiken des deutschen Rüstungskonzerns Heckler und Koch. "Wer in ein Land wie Mexiko Waffen liefert, befeuert den Krieg, den die organisierte Kriminalität gegen die Menschen führt." In Stuttgart müssen sich derzeit mehrere ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontroll- und Außenwirtschaftsgesetz verantworten, weil sie von 2006 bis 2009 rund 4.500 Sturmgewehre samt Zubehör in mexikanische Unruhe-Regionen geliefert haben sollen.

Adveniat ist das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Derzeit unterstützt es laut eigenen Angaben über 150 Projekte in Mexiko mit rund 2,5 Millionen Euro. Förderschwerpunkte sind - neben der Arbeit mit Migranten und der Indigenen-Pastoral - Friedenserziehung und Gewaltprävention.

Quelle: KNA