Bolivien |

Landwirtschaft zerstört ?–kosysteme

In Bolivien haben die Ausweitung der Landwirtschaft in den vergangenen 40 Jahren, die illegale Landvergabe und planlose Landbesetzungen schwere Umweltschäden verursacht. Außerdem erhöhte die Entwaldung einer neuen Untersuchung zufolge den Anteil des südamerikanischen Landes am weltweiten Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase von 0,02 auf 0,3 Prozent.

Bolivien erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 1,1 Millionen Quadratkilometer. Zu einem Viertel besteht der Andenstaat aus Gebirge und Hochland. 15 Prozent sind Täler und Ebenen, der Rest Tiefebenen und Wälder.

Sojaanbau löste Exportboom aus

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre entwickelte sich die Landwirtschaft in den Tiefebenen zu einem wichtigen Motor der bolivianischen Wirtschaft. Der Anbau von Soja löste einen Exportboom aus, der dem südamerikanischen Land im letzten Jahr Einnahmen in Höhe von 554 Millionen US-Dollar generierte. Soja ist nach Erdgas und Mineralien inzwischen drittwichtigstes Exportgut.

Insgesamt führte Bolivien 2010 Güter im Wert von fast sieben Milliarden Dollar aus. Das entspricht einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts. Allein der Agroindustrie wird seit einigen Jahren der Waldschwund von jährlich bis zu 500.000 Hektar Wald angelastet.

Alle ökoregionen bedroht


"In diesem Land gibt es eine zunehmende Zahl von ökoregionen, ökosystemen und Naturlandschaften, die in einem kritischen Zustand sind", warnte Marco Ribera von der Liga zum Schutz der Umwelt in der neuen Studie. Verantwortlich dafür macht er das Vorrücken der Agrarflächen, Brandrodung, Umweltverschmutzung und Großprojekte wie Wasserkraftwerke und Straßen.

Gefährdet sind unter anderem die 800 bis 2.000 Meter über dem Meeresspiegel gelegene sub-andine Bergregion Alto Madidi und die semitropischen Yungas im nordwestlichen Departement La Paz. Das Gleiche trifft für den sutropischen Regenwald und den Amboró-Nationalpark im östlichen Departement Santa Cruz zu.

Auch der Carrasco-Nationalpark und das ´Indigene Territorium Isidoro-Sécure-Nationalpark´ (TIPNIS) im zentralen Departement Cochabamba sind nachhaltig geschädigt. Sie leiden vor allem unter dem Anbau von Koka für die Kokainproduktion und Obstbäumen. In TIPNIS kämpfen Ureinwohner einen verzweifelten Kampf gegen das Vordringen illegaler Siedler und den Bau einer Straße durch das Schutzgebiet.

"Die in TIPNIS lebenden ethnischen Gemeinschaften fürchten nicht nur den Verlust ihrer Wälder, sondern auch den Einzug von Alkoholismus und Handel, der ihre traditionellen Lebensweisen verändern wird", sagte Daniela Leytón von der Umweltgruppe ´Kandire´.

Franz Chávez, IPS-Weltblick