Brasilien |

Landlosenbewegung startet "Roten April"

Brasiliens Landlosenbewegung MST hat am Montag mit einer Reihe von Landbesetzungen ihren nationalen Aktionsmonat "Roter April" gestartet. Damit soll Druck auf die Regierung ausgeübt werden, die Landverteilung an arme Bauernfamilien zu beschleunigen. MST kündigte zudem für die nächsten Tage weitere Besetzungen von Landgütern sowie Protestmärsche in ganz Brasilien an.

Die Bewegung will mit dem "Roten April" an den Tod von 19 Anhängern erinnern, die am 17. April 1996 bei Auseinandersetzungen mit der Polizei in Eldorado dos Carajas ums Leben kamen. Bis heute wurde keiner der verantwortlichen Polizisten vor Gericht zur Rechenschaft gezogen.

MST startete den diesjährigen Aktionsmonat mit der Besetzung von mindestens zwölf Landgütern im nordöstlichen Bundesstaat Pernambuco, wie Onlinedienste am Montag berichteten. Der Bundesstaat wird seit Jahren von Auseinandersetzungen zwischen Landbesitzern und Landlosen heimgesucht. Im Juli letzten Jahres waren fünf MST-Angehörige in einem Camp vermutlich von Auftragskillern ermordet worden. Die genauen Umstände sind bis heute nicht geklärt.

MST verlangt von der Regierung die Ansiedlung von 90.000 landlosen Bauernfamilien, die derzeit in MST-Camps in ganz Brasilien auf eine Landzuteilung warten. In den letzten Jahren hat die Regierung durchschnittlich nur gut 50.000 Familien Land zugeteilt. Alleine im Bundesstaat Pernambuco sollen mehr als die Hälfte der Landgüter nach einer Statistik der Nationalen Besiedlungs- und Landreformbehörde INCRA unproduktiv oder sogar stillgelegt sein.

Laut Verfassung kann der Staat solche unproduktiven Landgüter enteignen und an Landlose verteilen. MST kämpft seit Jahren für eine verschärfte Anwendung dieses Enteignungsartikels, stößt dabei jedoch auf massiven Widerstand der Agrarlobby in Brasiliens Kongress.

Quelle: KNA