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Landlosenbewegung gerät nach Gewalt unter Druck

Verwüstete Orangenplantage sorgt für Ärgernis.

Brasilia. Nach der gewaltsamen Zerstörung einer Orangenplantage gerät Brasiliens Landlosenbewegung MST unter massiven politischen Druck. Neben Oppositionspolitikern, die der Agrarlobby nahe stehen und seit Wochen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Überprüfung öffentlicher Gelder für die Landlosenbewegung fordern, verlangen nun auch Regierungspolitiker ein härteres Vorgehen gegen die Bewegung, wie die brasilianische Presse berichtet.

Ein Bild der Verwüstung bot sich demnach Polizeikräften, als sie am Mittwoch (Ortszeit) auf richterlichen Beschluss die Plantage des Unternehmens Cutrale nahe der Stadt Iaras, rund 300 Kilometer von Sao Paulo, räumten. Ende September hatten etwa 250 Familien der Landlosenbewegung den Betrieb besetzt, den Fuhrpark aus 28 Traktoren und 4 Lastwagen sowie rund 7.000 Orangenbäume zerstört. Computer und Fernseher seien entwendet oder verbrannt worden, die Gebäude des Betriebs mit Slogans besprüht. Den Schaden beziffert das Unternehmen mit umgerechnet 1,2 Millionen Euro.

Die Bewegung bestreitet, dass ihre Anhänger für die Verwüstungen verantwortlich seien, rechtfertigte aber die Besetzung als solche. "Cutrale" habe die Plantage illegal auf Staatsland errichtet. "Während Tausende landloser Familien immer noch in ganz Brasilien in Lagern campieren, rauben große Unternehmen Land und erhalten dafür sogar noch Deckung durch die Staatsgewalt", heißt es in einer MST-Erklärung.

Die Nationale Besiedlungs- und Landreformbehörde INCRA unterstützt die Position der Bewegung und fordert eine Enteignung der Plantage. Ähnlich äußerte sich ein Vertreter der Bodenpastoral der katholischen Kirche (CPT). "So radikal dies auch erscheinen mag, es öffnet die Augen der Nation für die Realität Brasiliens", zitiert die Zeitung "Folha de S. Paulo" eine nicht benannte CPT-Quelle. Justizminister Tasso Genro hingegen erinnerte daran, dass "niemand über dem Gesetz stehe". In der vergangenen Woche hatte die Regierung im Kongress einen Antrag zur Überprüfung der MST-Finanzierung durch die öffentliche Hand gestoppt. Am Mittwoch wiederholte der brasilianische Rechnungshof seine Kritik an der Finanzierung. Allein in diesem Jahr sollen 19 dem MST nahestehende Nichtregierungsorganisationen umgerechnet insgesamt 6 Millionen Euro vom Staat erhalten haben.

Text: KNA