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Landlosenbewegung besetzt Weingut

Seit mehr als vier Wochen halten mittellose Landarbeiter und ihre Familien im Bundesstaat Pernambuco ein Weingut besetzt. Lokalen Medienberichten zufolge würden sich die über 400 Familien seit Mitte Oktober auf dem Gelände des Familienunternehmens im Nordosten des Landes eingerichtet haben, das Wein und Schaumwein produziert, so die brasilianische Tageszeitung OGlobo am Donnerstag, den 7. November.

Mehr als 2.000 Menschen der Landlosenbewegung „Sin Terra“ (MST) würden in Zelten und Barracken auf dem Firmengelände wohnen, berichtet OGlobo. Die Besitzer der Milano-Fazenda in der Ortschaft Santa Maria da Boa Vista rund 600 Kilometer von der Großstadt Recife beklagen ihrerseits Zerstörung und Vandalismus durch die „Invasion“. MST-Führer José Felisberto Silva wies den Vorwurf zurück, die Besetzung sei eine Demonstration für mehr Land.

Derweil fürchten Beobachter eine Eskalation zwischen Besetzern und Landbesitzern. In der Vergangenheit wurden Konflikte um Land mit Gewalt gelöst. So verurteilte Brasiliens Justiz Mitte Oktober einen Großgrundbesitzer und einen von ihm angeheuerten Auftragsmörder zu lebenslangen Haftstrafen. Wegen Auftragsmord an fünf MST-Mitgliedern verbüßt Agro-Unternehmer Adriano Chafik eine Freiheitsstrafe von 115 Jahren. Der „Pistolero“ Washington Agostinho da Silva muss für das „Massaker von Felisburgo“ im Jahr 2004 für 95 Jahre hinter Gitter, so das Nachrichtenportal Terra Brasil. (bb)