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Landlosenbewegung besetzt Ministerium

Brasiliens Landlosenbewegung MST hält seit dem 16. April das Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung in der Hauptstadt Brasilia besetzt. MST-Führer verlangen konkrete Zusagen der Regierung für die landesweit gut 200.000 auf eine Landzuteilung wartenden Bauern, wie Zeitungen berichteten. Bisher lief die Protestaktion friedlich ab. Der "Rote April" ist traditionell der Protestmonat der MST, in Erinnerung an 19 im April 1996 ermordete Aktivisten.

Gut 1.500 MST-Aktivisten hatten Montagmorgen gegen 5.30 Uhr das Ministerium gestürmt. Danach verweigerten sie den ankommenden Mitarbeitern den Zugang zu dem Gebäude. Man werde erst abrücken, wenn die Regierung konkrete Vorschläge für die Landzuteilung an die in Lagern campierenden Landlosen mache. Laut MST warten in ganz Brasilien insgesamt 186.000 Bauernfamilien auf Land. MST wirft der Regierung unter Staatspräsidentin Dilma Rousseff vor, die Interessen der Landlosen zugunsten der Agrarwirtschaft zurückzustellen.

Der "Rote April" geht auf einen blutigen Zwischenfall bei Protesten in der Region von Carajas im nördlichen Amazonasbundesstaat Para zurück. Bei einer MST-Straßenblockade hatte die Polizei damals in die Menge geschossen und 19 Demonstranten erschossen. Am Tatort stellte die MST 19 Baumstämme als Mahnmal auf. Die an dem Einsatz beteiligten Polizisten warten noch auf ihren Prozess.

Quelle: KNA