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Landlose planen Farmbesetzungen

Brasiliens Landlosenbewegung MST plant für diesen Monat die Besetzung von Landgütern in 24 der 27 Bundesstaaten. Damit will die Bewegung gegen die schleppende Agrarreform der Regierung protestieren, wie örtliche Medien am Montag berichteten. Seit Jahren intensiviert MST im "Roten April" ihre Protestaktionen. Sie erinnert damit an das Schicksal von 19 Aktivisten, die während Protesten im April 1996 von der Polizei erschossen worden waren.

Im vergangenen Jahr hatte MST im Rahmen des "Roten April" 70 Landgüter in 19 Bundesstaaten besetzt. Immer wieder kommt es bei den Aktionen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Farmern und den Landlosen. Erst vor wenigen Tagen war ein lokaler MST-Führer im Bundesstaat Pernambuco von Auftragskillern ermordet worden. Am vergangenen Wochenende wurde zudem ein dem MST angeschlossener Landarbeiter getötet.

186.000 Bauernfamilien leben in Behelfscamps

Landesweit warten laut Regierungsangaben 186.000 Bauernfamilien in Behelfscamps auf eine Landzuteilung. Laut MST-Aussagen habe die Verteilung in 2011 den niedrigsten Stand seit 16 Jahren erreicht. Die Bewegung fordert von Präsidentin Dilma Rousseff eine Beschleunigung des Verfahrens. Zudem kämpft sie gegen das derzeit dem Kongress vorliegende neue Waldgesetz. Nach Auffassung von MST stärkt es den Einfluss der Großgrundbesitzer und legalisiert im Nachhinein illegale Landnahmen und Abholzungen.

Der "Rote April" geht auf einen blutigen Zwischenfall bei Protesten in der Region von Carajas im nördlichen Amazonasbundesstaat Para zurück. Bei einer MST-Straßenblockade hatte die Polizei damals in die Menge geschossen und 19 Demonstranten erschossen. Am Tatort stellte die MST 19 Baumstämme als Mahnmal auf. Die an dem Einsatz beteiligten Polizisten warten noch auf ihren Prozess.

Quelle: KNA