Argentinien |

Landkonflikt im Norden eskaliert

Die Anzahl der Todesopfer der polizeilichen Räumungsaktion einer Straßenblockade im Nordosten Argentiniens ist laut argentinischer Medien höher als angenommen. Einen Tag nach den Zusammenstößen am Dienstag zwischen protestierenden Indígenas und der Nationalpolizei hatten staatliche Stellen von einem toten Demonstranten und einem toten Polizei-Offizier berichtet. Wie die Tageszeitung Clarín am Donnerstag vermeldete, starben neben Roberto López (52 Jahre) und dem Polizisten Heber Falcón (34 Jahre) auch der Aktivist Sixto Gómez. Die Bilanz des Polizeieinsatzes sind drei Tote, zwei Schwerverletzte im Koma und 29 Festgenommene.

Zu dem Zusammenstoß an der Nationalstraße 86, zehn Kilometer von der Ortschaft Laguna Blanca der Provinz Formosa entfernt, war es in der Nacht zum Mittwoch gekommen. Mitglieder der Toba-Indigenen der Gemeinde La Primavera hatten gegen die gewaltsame Enteignung von 600 Hektar Land vor vier Monaten protestiert, welche die Provinzverwaltung für den Bau einer landwirtschaftlichen Universitätsfakultät beansprucht.

Über den Verlauf der Eskalation gibt es laut Tageszeitung Clarín zwei Versionen. Aussagen der Gemeindemitglieder beschuldigen den Besitzer der von ihnen beanspruchten Ländereien, Pedro Luis Celia, er habe den Toba-Gemeindeältesten Félix Díaz mit dem Tode bedroht und vor seinen Augen mit einem Revolver in die Luft geschossen mit der Aussage, die nächste Kugel »sei da, um ihn zu töten«, so ein Zeuge. Nach der Räumung der blockierten Straße 86 seien die Indigenen in den anliegenden Wald geflüchtet, »aber sie haben uns mit Knüppeln herausgejagt und dann auf uns geschossen«, erläutert Carlos Caballero. Die Polizei beschuldigt die Gegenseite des Gewaltausbruchs. 40 gewaltbereite Demonstranten mit Macheten, Stöcken und Äxten seien an einem »friedlichen Dialog« nicht interessiert gewesen, so der Kommissar von Laguna Blanca. Die Polizei habe in Notwehr von den Schusswaffen Gebrauch gemacht. (bb)