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Landesweit nur 70 Kontrolleure für Agrargifte

Ganze 70 Kontrolleure überprüfen in Brasilien die Versprühung von Agrargiften. Experten kritisierten diesen eklatanten Mangel jetzt während einer Sitzung einer Unterkommission des brasilianischen Abgeordnetenhauses, die sich mit den Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen beschäftigt.

Mangel an Fachleuten

Die Kontrolleure sind für eine Anbaufläche von 200.000 km² zuständig, was dem gesamten Alpenraum entspricht. Pensionierte Mitarbeiter werden vielfach nicht ersetzt, es herrscht ein genereller Mangel an Agrar-Fachleuten. Mehr als die Hälfte der zu überwachenden Fläche entfällt auf Soja-Kulturen. In ganz Brasilien versprühen mehr als 1.300 Flugzeuge Agrargifte aus der Luft, die Flotte wächst kontinuierlich.

Besprühung vom Boden aus nicht geregelt

Die Vorschriften besagen, dass ein Abstand von mindestens 250 Metern zu Wasserquellen und von 500 Metern zu Ortschaften eingehalten werden muss. Dagegen ist keine Entfernung zu Straßen festgelegt, ebenso wenig wird die Besprühung vom Boden aus - durch Menschen oder Maschinen - geregelt. Auf sie entfallen aber 85 Prozent der Gesamtmenge, der Anteil der Luftversprühung beträgt nur 15 Prozent. Der verständliche Wunsch nach einer Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge gerät in Konflikt mit der Vernachlässigung des Schutzes der Menschen.

Brasilien weltweit Verbraucher Nummer Eins

Brasilien nimmt weltweit beim Verbrauch von Agrargiften die Spitzenposition ein. 2009 gingen rund 1 Milliarde Liter auf die Felder nieder. Einer Untersuchung für das gleiche Jahr zufolge starben 115 Personen an Vergiftungen, fast 4.000 Menschen erlitten Vergiftungen. (bs)