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Landarbeiter besetzen Agrarreformbehörde INCRA

Nach einer Demonstration durch die brasilianische Hauptstadt Brasilia haben gestern rund 600 Mitglieder des Verbandes der kleinbäuerlichen Landwirtschaftsbetriebe den Sitz des Institutes für Besiedelung und Agrarreform (Incra) besetzt. Sie fordern die Übergabe von Land an 3.000 Kleinbauernfamilien sowie Unterstützung durch Technik und Beratung, für die Bearbeitung des geforderten Landes. Nur wenige Tage zuvor, am vergangenen 11. Juli, hatten Mitglieder der Landlosenbewegung MST die Behörde friedlich besetzt und forderten eine Agrarreform.

Die Kleinbauern wollen die Einrichtung erst verlassen, wenn eine Antwort der Behörden auf deren Forderung vorliegt. Bei einem Treffen mit Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hatten Vertreter der sozialen Bewegungen aus dem ländlichen Raum unter anderem eine Entbürokratisierung, schnellere Lösungen für soziale Probleme und eine Agrarreform gefordert.

Laut Artikel 184 der brasilianischen Verfassung müsste der Staat Immobilien enteignen, wenn ein Großgrundbesitz nicht rational genutzt wird bzw. Umwelt- oder Arbeitsgesetze missachtet werden. Nach einer Erhebung des Incra von 1998 trifft dies auf 60.000 unproduktive Großbetriebe mit insgesamt 166 Millionen Hektar Land zu. Die Landlosenbewegung MST sowie Kleinbauernvereinigungen kritisieren, dass Pläne für eine Agrarreform unter der Regierung der Arbeiterpartei (PT) ins Stocken gekommen seien. (bh)