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Land will groüer Palmölproduzent werden

Brasilien will im Osten des Amazonasgebietes im Bundesstaat Pará Palmöl in großem Stil für die Biotreibstoffproduktion herstellen. Allerdings sollen die Monokulturen ausschließlich auf brachliegenden oder degradierten Flächen angepflanzt werden, um die lokalen Wälder nicht noch mehr zu dezimieren. Landwirtschaft, Viehzucht, Holz- und Holzkohleindustrie haben dem ökosystem schwer geschadet.

´Petrobras Biocombustible´, eine Biotreibstofftochter des brasilianischen Erdölkonzerns ´Petrobras´, plant die Produktion von 420.000 Tonnen Palmöl. Das ist doppelt soviel, was das südamerikanische Land derzeit generiert. 60 Prozent der Produktionsmenge sind für Portugal bestimmt. Dort soll das öl in Assoziation mit dem portugiesischen Unternehmen ´Galp´ in Biodiesel für den europäischen Markt verarbeitet werden. Die ersten 6.000 Hektar Land werden bereits bepflanzt. Ingesamt sollen es 74.000 Hektar werden. "Wir konzentrieren uns auf den wachsenden Biodieselmarkt", meint dazu Janio Rosa, Verwaltungschef von Petrobras Biocombustible.

Treibstoff für die eigene Produktion

Der brasilianische Konzern ´Vale´, der weltgrößte Hersteller und Exporteur von Eisenerz, der 1997 privatisiert wurde, hat bereits 2008 ein Projekt zur Produktion von 160.000 Tonnen Biodiesel ab 2014 eingeweiht. Mit dem selbst generiertem Treibstoff will das Unternehmen seine eigenen Förder- und Transportmaschinen betrieben. So sollen auf einer Fläche von 60.000 Hektar ölpalmen-Monokulturen entstehen.

Die Regierung legte im Mai ein Programm zur nachhaltigen Produktion von ölpalmen auf, das mit Krediten und mit technischen Hilfen gefördert wird. Mit Hilfe einer agrarökologischen Zoneneinteilung wurden 31,8 Millionen Hektar brachliegendes oder erodiertes Land – eine Fläche fast so groß wie Deutschland – für den Anbau der Energiebäume identifiziert. Freigegeben wurden bisher nur 4,3 Millionen Hektar. Der Großteil der Fläche liegt in Pará.

Alternative zu Soja

Der Anbau von ölpalmen eröffnet Brasilien die Möglichkeit, seine Energiepflanzen zu diversifizieren. Bisher produziert Brasilien Biodiesel zu 85 Prozent aus Soja. Die Hälfte des öls, das das Land selbst verbraucht – 450.000 Tonnen im Jahr – muss das südamerikanische Land dazukaufen.

Die Rentabilität des Palmölprojektes sei mit einer Produktivität von sechs Tonnen pro Hektar im Jahr für eine Laufzeit von 25 bis 28 Jahren und einem wachsenden Markt für Biotreibstoffe gegeben, sagte Rosa. Diese Laufzeit rechtfertige Biodieselprojekte, auch wenn das Palmöl derzeit der teuerste Posten in der Nahrungsmittel- und Chemieindustrie sei. Allerdings hat ´Agropalma´, Brasiliens einziger großer Palmölproduzent, seit August "vorübergehend" die Herstellung von Biodiesel eingestellt. Das Unternehmen konnte mit seinen Preisen bei öffentlichen Ausschreibungen nicht mehr mithalten.

Subventionen in Kolumbien

In Kolumbien, dem größten Biodieselproduzenten Lateinamerikas, wird die Herstellung von Biotreibstoffen subventioniert. So kauft die Regierung das öl zum Marktpreis und übernimmt die Kosten für die Umwandlung in Kraftstoffe, wie Jens Mesa von der Nationalen Vereinigung der ölpalmenpflanzer (Fedepalma) betont. Mit einem Produktionsvolumen von mehr als 800.000 Tonnen im Jahr führt Kolumbien die südamerikanische ölproduktion an.

Mesa zufolge war die staatliche Förderung zunächst sporadisch, bevor sie sich unter dem ehemaligen Staatspräsidenten Álvaro Uribe (2002-2010) stabilisierte. Seit Anfang letzten Jahres gibt es die Regelung, dem herkömmlichen fossilen Brennstoff des südamerikanischen Bürgerkriegslandes zehn Prozent Biodiesel beizumischen. In Brasilien soll das Ziel von fünf Prozent bis 2013 erreicht sein.

Kolumbien verfügt über drei Millionen Hektar Land, die für den ölpalmenanbau bestens geeignet sind, wie Mesa versicherte. Hinzukommen weitere 365.000 Hektar Land, die bereits bepflanzt worden sind. Der Anbau der ölpalmen sei die einzige ländliche Aktivität, die eine Umweltgenehmigung notwendig mache. Von der Branche profitierten 6.000 kleinbäuerliche Familien, sagte er in Reaktion auf Einwände von Umweltschützern, wonach gerade die Kleinbauern nicht von den Monokulturen profitierten beziehungsweise von den Konfliktparteien von ihrem Land vertrieben wurden.

Fehler vermeiden

Süd- und Zentralamerika erscheinen angesichts der wachsenden Biotreibstoffnachfrage wie neue Bastionen der Biotreibstoffhersteller. Allerdings will gerade Brasilien vermeiden, dass der Amazonaswald ein ähnliches Schicksal wie die Baumbestände Indonesiens und Malaysias erleidet. Beide Staaten produzieren 85 Prozent der weltweiten Palmölproduktion – mit hohen ökologischen und sozialen Kosten.

Der Runde Tisch über nachhaltiges Palmöl (RSPO) wurde 2004 von Produzenten, Verbrauchern, Umweltgruppen, Bankern, Investoren, Händlern und anderen Akteuren der Palmölindustrie eingerichtet, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern, Umweltschäden zu vermeiden und ökologische und sozial nachhaltige Projekte als solche auszuzeichnen.

Petrobrás Biocombustible will in diesem Sinne 2.250 Bauernfamilien die Hälfte der Produktion im Rahmen eines ersten und 20 Prozent im Rahmen eines zweiten exportorientierten Projekts überlassen. Die Einhaltung der Gesetze, Wiederaufforstung mit nativen Bäumen und Umweltforschung seien Teil des Gesamtplans, erklärte der Unternehmensverwaltungschef Rosa. Nach brasilianischem Recht müssen alle Amazonas-Landeigentümer 80 Prozent des Waldes schützen.

Skepsis gegenüber Monokulturen

Doch trotz aller Schutzvorkehrungen stoßen die Palmölproduktionspläne auf Bedenken. "Wir sind gegen jegliche Monokulturen im großen Stil", meint dazu João Pedro Stédile, einer der Koordinatoren der brasilianischen Landlosenbewegung MST mit Hinweis auf die klimatischen und ökologischen Leistungen des Amazonasgebietes.

Bisher ist der Anteil der brasilianischen Palmölproduktion am internationalen Markt verschwindend klein. So wurden im letzten Jahr 46 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Die ölpalmen werfen nur alle drei Jahre Früchte ab und erreichen ihre Reife erst nach acht Jahren. Doch die Nachfrage nach Pflanzenölen wächst schneller als die Weltbevölkerung und die Wirtschaft. Um sie bis 2050 zu bedienen, müssten zusätzliche 13 Millionen Hektar Land mit Palmen bepflanzt werden, schätzt Timothy Killeen von der Umweltorganisation ´Conservation International´.

Autor: Mario Osava (IPS)