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Kurznachrichten zur Corona-Krise aus Lateinamerika

Corona, Coronavirus, Covid-19

Modell des neuartigen Coronavirus Covid-19. Foto: NIH, CCO1.0

ARGENTINIEN

In Argentinien haben zahlreiche Supermärkte damit begonnen, wegen der Coronavirus-Krise zu gewissen Zeiten nur für Senioren zu öffnen. Wie die Tageszeitung "Clarin" am Dienstag, 17. März 2020 (Ortszeit) berichtet, hätten Menschen ab 65 Jahren bei Carrefour von 7.00 bis 8.30 Uhr exklusiven Zugang zu den Läden. Ziel sei es, den Senioren im Land zu ermöglichen, beim Einkaufen nicht mit anderen Altersgruppen in Kontakt zu kommen. Menschen über 60 Jahre gelten als Risikogruppe, bei denen eine Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen könnte. Den Angaben zu Folge gab es am Dienstag in Argentinien 56 registrierte Infektionen.

GUATEMALA

Guatemala will als Reaktion auf die Coronavirus-Krise vorerst keine Abschiebungen von Migranten aus den USA mehr annehmen. Die Rückführungen seien suspendiert, teilte Guatemalas Außenminister Pedro Bolo laut lokalen Medienberichten am Dienstag, 17. März 2020 (Ortszeit) mit. Die mit den US-Behörden abgestimmte Maßnahme gelte solange, bis sich beide Länder auf ein neues Konzept verständigt hätten. Zuvor war ein 85-jähriger Mann, der aus den USA zurückgekehrt war, am Wochenende als erster Coronavirus-Todesfall in Guatemala registriert worden.

Bislang führen laut Angaben des mittelamerikanischen Landes zunächst die US-Behörden drei Tests durch, bevor die Migranten, die sich ohne gültige Papiere im Land aufhalten, abgeschoben werden - dann erfolge auf guatemaltekischer Seite ein weiterer Test. Die USA haben im laufenden Jahr bisher 10.668 Menschen nach Guatemala abgeschoben, im Jahr 2019 waren es 54.599 Abschiebungen.

KOLUMBIEN

Kolumbien reagiert auf die Entwicklungen in der Coronavirus-Krise mit der Isolierung von Menschen über 70 Jahren. Die Quarantäne der Senioren solle am Freitag ab 7.00 Uhr morgens beginnen, teilte Kolumbiens Präsident Ivan Duque am Dienstag (Ortszeit) in einer TV-Ansprache an seine Landsleute mit. Zugleich verhängte Duque den Notstand über das Land. "Diejenigen, die das größte Risiko tragen, sind unsere Großeltern. Deswegen ist die erste Notmaßnahme darauf ausgerichtet, sie zu schützen", sagte Duque. Alle Menschen über 70 Jahre müssten ab Freitag in ihren Wohnungen bleiben, so Duque. Zugleich kündigte er Maßnahmen an, um sicherzustellen, dass die Versorgung der Seniorinnen und Senioren gewährleistet werde. Den Angaben zufolge wurden in Kolumbien bis Dienstag offiziell 54 Fälle von Coronavirus-Infektionen verzeichnet.

BRASILIEN

Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Messias Bolsonaro trotzt den Aufrufen seiner eigenen Regierung und will am Samstag seinen 65. Geburtstag feiern. Das berichten örtliche Medien am Mittwoch, 18. März 2020. Das Gesundheitsministerium sowie lokale Regierungen hatten die Bürger dagegen zur freiwilligen Isolation daheim aufgerufen sowie von Versammlungen abgeraten. Am Dienstag verzeichnete Brasilien die ersten Corona-Toten.

Geburtstagsparty trotz Corona

Er werde "eine traditionelle Party" abhalten, so Bolsonaro. Da seine Ehefrau einen Tag nach ihm Geburtstag habe, "werden das zwei Tage Party sein". Das Coronavirus verglich er zudem mit einer Schwangerschaft, "die ein Kind hervorbringt und dann von alleine wieder verschwindet". Bereits zuvor hatte Bolsonaro die Corona-Krise mehrfach als "Hirngespinst" und "Hysterie" bezeichnet und sich gegen Einschränkungen im Alltag ausgesprochen. Diese würden lediglich der Wirtschaft schaden. Am Dienstag kündigte er lediglich die Schließung der Grenze zu Venezuela an. Zudem wiederholte Bolsonaro seine Auffassung, wonach das Virus nicht tödlich sei. So seien die älteren Menschen, die in Italien gestorben seien, zwar infiziert gewesen, die Todesursachen seien jedoch andere Krankheiten gewesen, so Bolsonaro. Für seine Äußerungen wird Bolsonaro in den Medien und in Brasiliens Politbetrieb scharf kritisiert. Auch seine Teilnahme an einer Demonstration am Sonntag wurde als unverantwortlich angesehen.

Rücktrittsforderungen

Gegen den Rat seiner Ärzte hatte Bolsonaro an einer Demonstration gegen den Kongress und das Oberste Gericht in Brasilia teilgenommen. Dabei soll er zu 272 Personen Körperkontakt gehabt haben, berichten Medien. Bolsonaros Ärzte hatten dem Präsidenten zuvor geraten, sich für eine Woche zu isolieren, nachdem mehrere Personen aus der Delegation seiner USA-Reise von Anfang März positiv getestet wurden. Inzwischen sind 14 Delegationsmitglieder erkrankt. Am Dienstag gab Bolsonaro an, dass auch ein zweiter Test bei ihm negativ ausgefallen sei. Bereits Ende vergangener Woche ergab ein erster Test nach Angaben des Präsidenten, dass er gesund sei.
Bisher wird der Kampf gegen das Coronavirus in Brasilien von verschiedenen Ministern seines Kabinetts geleitet. Die passive Haltung des Präsidenten hat auch bei Politikern seiner eigenen Basis Kritik ausgelöst. Vereinzelt gab es Rücktrittsforderungen. Ein Oppositionsabgeordneter beantragte am Dienstag Bolsonaros Amtsenthebung.

In zahlreichen Großstädten protestierten Bürger am Dienstagabend an ihren Fenstern durch das Schlagen auf Töpfe gegen den Präsidenten. Zuvor waren die ersten beiden Corona-Toten Brasiliens verkündet worden. Vier weitere Todesfälle werden noch untersucht. Brasilien hat offiziell rund 300 Corona-Fälle. Im öffentlichen Gesundheitssystem fehlt es an Corona-Tests, weshalb nur Schwersterkrankte einem Test unterzogen werden.