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Kuba rationiert Lebensmittel

Angesichts der sich verschärfenden Versorgungskrise in Kuba will die Regierung Lebensmittel und Hygieneartikel rationieren. Havanna verweist auf das US-Embargo - doch etwas anderes dürfte schwerer wiegen.

Straßenszene in der Altstadt von Havanna (Foto: picture-alliance/AP/R. Espinosa)

Kubaner dürfen zahlreiche Lebensmittel und Hygieneartikel nur noch in festgelegten Mengen kaufen. Dies betreffe unter anderem Hühnchen, Reis, Eier, Bohnen, Wurst, Seife, Waschmittel und Zahnpasta, sagte Handelsministerin Betsy Díaz. Ziel sei eine "gerechte und vernünftige" Verteilung der knappen Produkte in der Bevölkerung. Die Regierung in Havanna machte die jüngsten Verschärfungen des US-Embargos gegen Kuba für die Versorgungsengpässe verantwortlich. Wirtschaftsexperten sehen den Grund hingegen eher in der Schwäche der eigenen Produktion und der Abhängigkeit vom engen Verbündeten Venezuela.

Die Karibikinsel erhält von Venezuela Öl im Austausch für die Dienste entsandter Ärzte. Dieses Öl verkauft Kuba auf dem Weltmarkt und beschafft sich so Devisen. Wegen der schweren Krise in Venezuela haben sich die Öllieferungen allerdings auf 50.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag halbiert. Die Lieferungen werden zudem auch durch die USA erschwert: Erst am Freitag teilte das Finanzministerium in Washington mit, es habe Reedereien und Öltanker auf eine schwarze Liste gesetzt, die Öl von Venezuela nach Kuba transportiert haben sollen. Die Karibikinsel fehlen zunehmend Devisen, um Lebensmittel, Ersatzteile und Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Der eigene Industriesektor ist sehr schwach. Kuba importiert rund zwei Drittel seiner Lebensmittel und wendet dazu mehr als zwei Milliarden Dollar pro Jahr auf.

Import von Zucker und Kaffee

Kurze Verknappungen einzelner Waren sind seit Jahren üblich. In den vergangenen Monaten war jedoch eine wachsende Zahl von Gütern tage- oder gar wochenlang nicht erhältlich. Zuletzt musste Kuba selbst Zucker und Kaffee einführen - Produkte, für die das Land einst berühmt war.

Die kubanische Wirtschaft war nach dem Ende der Sowjetunion zusammengebrochen. Mit der nun stockenden venezolanischen Hilfe endete Anfang des Jahrtausends eine mehr als zehnjährige Phase des Elends, die offiziell "Sonderperiode in Friedenszeiten" genannt wurde.

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