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Kritik an staatlichen Maünahmen gegen Gewalt im Amazonasgebiet

Nach Ansicht von João Pedro Stédile von der Landlosenbewegung MST werden die angekündigten staatlichen Maßnahmen gegen Gewalt im Amazonasgebiet angesichts der wirtschaftlichen Macht von Großgrundbesitzern und Unternehmen nichts bewirken. Die Regierung von Staatspräsident Dilma Rousseff hatte nach der Ermordung von vier Umweltschützern Ende Mai in den nordbrasilianischen Amazonas-Bundestaaten Pará und Rondônia die Bildung eines Sonderkabinetts und besonderen Schutz von 125 Aktivisten angekündigt.

Statt Sonderkommission zu bilden, sollten Mörder und ihrer Auftraggeber konsequent strafrechtlich verfolgt werden, so João Pedro Stédile. Denn in den überwiegenden Fällen werden die Verbrechen nicht gesühnt, wie Zahlen der kirchlichen Landpastoral CPT belegen.In den letzten 25 Jahren wurden demnach in den ländlichen und abgelegenen Gebieten Brasiliens 1.580 Menschen ermordet. In nur 91 Fällen kam es zu Gerichtsverhandlungen, die mit der Verurteilung von 21 Auftraggebern und von 73 Auftragskillern endeten.

Brasilien verfügt über 5,3 Millionen Quadratkilometer Regenwald. Davon stehen 1,3 Millionen Quadratkilometer unter Naturschutz. Doch handfeste Wirtschaftsinteressen der Agrar-, Holz und Bergbauindustrie sorgen dafür, dass der Druck auf die kostbaren Wälder in letzter Zeit wieder zunimmt. In den Jahren 2009 und 2010 wurden in dem südamerikanischen Land 700.000 Hektar Wald zerstört. Das war die niedrigste Rate seit 1988, als mit den Messungen des Waldschwunds begonnen wurde. Doch ein Regierungsbericht vom 19. Mai kommt zu dem Schluss, dass zwischen August 2010 und April 2011 27 Prozent mehr Wald vernichtet wurden.

Quelle: IPS-News