Bolivien |

Konflikt im TIPNIS geht weiter

Der Konflikt um den Bau einer Straße durch das indigene Territorium und Nationalpark Isiboro Sécure (TIPNIS) sorgt in Bolivien erneut für Schlagzeilen. Wie der katholische Nachrichtensender Erbol am Sonntag berichtete, hätten Straßenbau-Gegner einen Befürworter der Verbindungsstraße zwischen den Departamentos Cochabamba und Beni ausgepeitscht und mit dem Tode bedroht. Bei den mutmaßlichen Tätern habe es sich um Mitglieder des Verbandes der Tieflandindigenen (CIDOB) gehandelt, der seit der TIPNIS-Frage in zwei Lager gespalten ist.

Bei dem Opfer handelt es sich um Gumercindo Pradel, Vorsitzender des Indigenen-Rates im Süden (CONISUR), von dem 1-Million-Hektar-Areal zwischen Andenhochland und Amazonastiefland. Straßenbaugegner hätten den regierungsnahen Pradel gegen seinen Willen festgehalten, als CONISUR in der Ortschaft San Pablo ein Treffen abhalten wollte. Laut Zeugenaussagen sei der Indígena-Vertreter mit einem Ledergürtel ausgepeitscht worden und unter Todesdrohungen zur Unterzeichnung einer Erklärung gezwungen worden „das Gebiet nie wieder zu betreten“ und sich nicht mehr zum Straßenbau zu äußern, so Erbol-Berichte.

Auch nach dem Votum einer Mehrheit der Parkbewohner in einer Volksbefragung Ende 2012 für den Straßenbau polarisiert das umstrittene Infrastrukturvorhaben weiter. Bei dem geplanten Treffen von CONISUR und einem Teil der TIPNIS-Unterverwaltung sollten 15 Indígena-Vertreter und Organisatoren zweier Protestmärsche „Zur Verteidigung des TIPNIS“ 2011 und 2012 ihrer Ämter enthoben werden. Mit Gewalt wurde diese Versammlung nun verhindert.

Im Zusammenhang mit dem Folter-Vorwurf kündigte die Generalstaatsanwaltschaft in La Paz am Montag, 24. Juni, polizeiliche Ermittlungen an, so die Tageszeitung La Razón. Zudem bestehe der Verdacht, dass sich im Nationalpark „bezahlte Gruppen“ aufhielten, zitiert La Razón Regierungskreise. Beobachter befürchten eine Eskalation zwischen den Indigenen im Park. (bb)