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Kommission gegen explodierende Medikamentenpreise

In Peru hat der drastische Anstieg der Krebsmedikamentenpreise um 64 Prozent im letzten Jahr die Regierung veranlasst, eine Preiskontrollkommission einzurichten. Das neue Gremium wird künftig sowohl die Preise für Krebs- als auch für Diabetes- und HIV/Aids-Mittel beobachten.

Wie aus einer jüngsten Studie des Gesundheitsministeriums hervorgeht, sind dem Andenstaat 2009 und 2010 aufgrund der von Zöllen und Steuern befreiten Krebsmedikamente Steuereinahmen in Höhe von 16,5 Millionen US-Dollar entgangen. Die Nichtregierungsorganisation Internationale Aktion für Gesundheit (AIS) geht für den Zeitraum 2005 bis September 2010 von Verlusten in Höhe von 40,8 Millionen US-Dollar aus.

Auch bei den Diabetesmedikamenten mussten die Behörden auf Steuer- und Zolleinnahmen verzichten: zwischen 2006 und September 2010 auf 6,2 Millionen Dollar für den Import der Arzneien im Wert von 25,3 Millionen Dollar, wie Edson Meza von AIS-Peru vorrechnet.

Einige Pharmaunternehmen ließen sich von der Gier leiten, kritisierte der peruanische Staatspräsident Alan García im vergangenen Monat. Er forderte die Firmen zu einer humanen Haltung und die Generalstaatsanwaltschaft zu einer Preisregulierung auf.

Zoll- und Steuerbefreiung wirkungslos

Anders als erwartet, führten Zoll- und Steuerfreiheit für Medikamente nicht zu einer Senkung der Arzneimittelpreise. Dazu meinte Alejandra Alayza vom Peruanischen Netzwerk für eine Globalisierung der Gleichheit (RedGe), dass die Pharmakonzerne mit ihren patentrechtlich geschützten Produkten quasi eine Monopolstellung innehätten, die ihnen freie Hand bei der Festlegung der Preise erlaube.

Im letzten Jahr sah sich der peruanische Staat gezwungen, für acht Krebsmedikamente 30 bis 40 Prozent mehr auszugeben. So wurden Lima für jede Dosis oder Tablette der Brustkrebsmedikamente Rituximab, Bevacizumab und Trastuzumab 1,46 bis 2,35 Dollar abverlangt.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche, der die Arzneien vertreibt, durfte sich über Gewinnmargen zwischen 31 bis 53 Prozent freuen. Die Präparate verschlangen 56 Prozent der 27,6 Millionen Dollar, die die Gesundheitsbehörden des südamerikanischen Landes 2009 für Krebsmedikamente ausgaben.

Eine Dosis von Cetuximab, einem intravenös verabreichten Mittel gegen Darmkrebs, das von dem deutschen Pharmariesen Merck vertrieben wird, kostet in Peru 357 Dollar. Die monatlichen Gesamtkosten pro Patient belaufen sich auf 5.760 Dollar. Um eine Monatsration bezahlen zu können, müsste ein Durchschnittsperuaner zwei Jahre lang arbeiten, ohne einen einzigen Tag freizunehmen.

Preissenkende Maßnahmen erwartet

"Das Gesundheitsministerium hat gut daran getan, die skandalöse Preispolitik der Pharmaunternehmen aufzudecken. Mit der neuen Kommission können nun die nötigen Mechanismen geschaffen werden, um zu erreichen, dass sich Steuer- und Zollbefreiungen in Peru für unser Land auszahlen", sagte Edson Meza.

Experten empfehlen den verstärkten Import von Generika, den deutlich preiswerteren Nachahmerpräparaten, und mehr Wettbewerb. Nach der Zoll- und Steuerbefreiung für Triptorelin, einem Mittel gegen Prostatakrebs, kostete die Dosis 131 Dollar. Die Konkurrenz durch zwei weitere Pharmafirmen ließ den Preis auf 76 Dollar purzeln.

Milagros Salazar, in IPS-Weltblick