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Kommentar: Werbekampagne wird zum Politikum

Die Werbekampagne einer brasilianischen Bank passt dem rechtsextremen Präsidenten nicht. Sie zeigt eine tolerante Gesellschaft.

Präsident Bolsonaro (l.) mit US-Präsident Trump (Foto: The White House)

Damit hatten die Werbestrategen wohl nicht gerechnet: Die Kampagne der „Banco do Brasil“ passt dem neuen rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro nicht in den Kram. Die Bilder zeigen eine weltoffene brasilianische Gesellschaft mit allen ihren Facetten: die indigene, afrobrasilianische und weiße Bevölkerung und sogar einen transsexuellen Menschen. Diese Diversität, die alltäglich auf den Straßen Rio de Janeiros oder Sao Paulo zu sehen ist, scheint Bolsonaro ein Dorn im Auge zu sein. Er legte sein Veto ein. Der Fall erinnert an die Kritik des Grünen-Politikers Boris Palmer am Erscheinungsbild des Webauftrittes der Deutschen Bahn, der prominente Menschen mit Migrationshintergrund zeigt.

Es sei unmöglich zu verstehen, was im Kopf eines Präsidenten vorgehe, der Probleme mit dieser Diversität habe, kritisierte Schwulenrechtler Fernando Dantas aus Sao Paulo. In der Tat ist Bolsonaros Veto einer seiner bislang ersten wirklich offen rassistischen Maßnahmen seit seiner Amtsübernahme zu Beginn des Jahres. Sie fällt zusammen mit der Ankündigung, künftig keine Schutzterritorien für indigene Völker mehr auszuweisen. Das ist vor allem klimapolitisch ein Thema, leben diese Ethnien meist in den ländlichen Regionen des Landes mit ihren ökologisch wichtigen Regenwäldern. Sie hat aber auch eine rassistische Komponente, weil sie die Bedürfnisse der weißen Bevölkerung über die der indigenen stellt.

Bolsonaros Veto und Palmers Kritik gegen diesen Spot und dieses Erscheinungsbild ist aber noch etwas ganz anderes. Es ist der Beweis, dass sich diese Politiker viel lieber eine rein weiße Gesellschaft wünschen. Für alle Afrobrasilianer und Indigenen, für die bemerkenswert große LGBT-Gemeinde ist das in Brasilien ein Schlag ins Gesicht. Wenn sie nicht zur Bank von Brasilien gehören dürfen, dann ist für sie auch kein Platz in Bolsonaros Brasilien. Menschenverachtender geht es nicht. Darüber sollte auch Boris Palmer einmal nachdenken.

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