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Kolumbiens Kirche hofft auf eine neue Chance

Mehr als zwölf Jahre dauerte das Martyrium des Pablo Emilio Moncayo in der Gefangenschaft der marxistischen Guerilla-Organisation Farc, ehe der 31 Jahre alte Soldat in der Osterwoche endlich seine Eltern in die Arme schließen konnte. Als Moncayo am 21. Dezember 1997 im Alter von 19 Jahren wie so viele andere Kolumbianer in den vergangenen Jahren entführt war, kannte der junge Mann noch kein Internet, kein Handy und auch seine kleine Schwester war noch nicht geboren. Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien mit all seinen brutalen und grausamen Konsequenzen hatte bereits Jahrzehnte vor seiner Entführung begonnen und er wird wohl auch noch einige Jahre nach seiner Freilassung eine Fortsetzung finden. "Kriege unter Brüdern sind schwer zu beenden", sagt Weihbischof Juan Vicente Cordoba Villota. Der Generalsekretär der kolumbianischen Bischofskonferenz kennt die Probleme in seinem Heimatland nur allzu genau: "In diesem Konflikt spielen so viele Faktoren eine große Rolle, nicht zuletzt der mächtige Einfluss des Drogenhandels."

In den Tagen rund um die live vom kolumbianischen Fernsehen übertragenen Ereignisse hat sich einiges verändert: Die katholische Kirche hat sich esrtmals seit Jahren als Vermittler in dem Konflikt zurückgemeldet.
Bischof Leonardo Gomez Serna sprach direkt im kolumbianischen Dschungel mit ranghohen Kommandanten und erkannte dabei das Grundübel in dem
Konflikt: "Die Regierung vertraut der Guerilla nicht. Und die Guerilla vertraut der Regierung nicht. Daran müssen wir arbeiten." Gemeinsam mit der oppositionellen Senatorin Piedad Cordoba gelang es dem Bischof auf dem Verhandlungswege, die Freilassung des jahrelang verschleppten Moncayo zu erreichen.

Immer mehr ranghohe Kirchenvertreter drängen den konservativen kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe dazu, den Weg für eine verhandlungslösung mit den Rebellen freizumachen. Und sie gehen auf Distanz zu dem beim Wahlvolk wegen seiner harten Hand äußerst populären Staatsmann. Wie jüngst der emeritierte kolumbianische Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos (80), der von der offiziellen Sprachregelung der staatlichen Behörden abwich: "Wir können nicht sagen, dass die gesamte Guerilla in den Drogenhandel verstrickt ist." Urbibe bezeichnet die Farc stets als "Drogen-Terroristen".

Doch nicht wenige Berater Uribes, der in der zweiten Hälfte dieses Jahres sein Amt turnusgemäß nach zwei Amtszeiten abgibt, warnen den Rechtsanwalt aus Medellin vor einem Nachgeben: Uribes Vorgänger Pastrana hatte auf genau diese Taktik gesetzt und wurde von der Guerilla vorgeführt. Eine ihnen zugestandene Region im Lande nutzten die Rebellen, um den Drogenhandel voranzutreiben und ihre Entführungsopfer zu verstecken. Zum Ende von Pastranas Amtszeit war die Farc zu stark wie nie zuvor. Das Bild eines verwaisten zweiten Stuhls bei angestrebten Friedensverhandlungen erreichte traurige Berühmtheit: Pastrana blieb alleine am Verhandlungstisch sitzen.

Kardinal Pedro Rubiano ist deswegen zürckhaltender als viele jüngere
Kirchenvertreter: Um eine Wiedereingliederung der mehreren tausend Farc-Kämpfer in die Gesellschaft zu ermöglichen, müssten die Rebellen der Praxis von Entführungen und Erpressungen abschwören, sagt der Erzbischof von Bogota. Erst vor wenigen Tagen starben bei einem Bombenanschlag neun Menschen in Buenaventura, ein kleiner Junge wurde von einer Paketbombe zerfetzt.

Nach dem Tod des legendären Farc-Führers Manuel Marulanda vor zwei Jahren sehen Beobachter trotzdem eine realisitsche Chance auf einen Neuanfang für Verhandlungen. Die Farc ist militärisch und ideologisch geschwächt. Die Verhandlungsposition des Staates diesmal deutlich besser, als zu Beginn von Uribes Amtszeit. Die Freilassung des Soldaten Moncayo und die zahlreichen Gespräche mit Kirchenvertretern werten sie als Signal einer Dialogbereitschaft neuen Farc-Führers Alfonso Cano.

Generalsekretär Juan Vicente Cordoba wirbt deshalb um das Vertrauen der beiden Seiten: "Die Kirche steht zur Verfügung, zwischen allen beteiligten Gruppen, der Guerilla, den Paramilitärs, den Kartellen und dem Staat zu vermitteln. Eine friedliche Lösung ist der einzige Ausweg."