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Kolumbien/Essen: Erschütterung über Priestermorde

Am 27. September sind Pfarrer Bernardo Echeverry Chavarriaga und der junge Vikar Pater Hector Fabio Cabrera Morales ermordet in dem kolumbianischen Ort Roldanillo aufgefunden worden. Echeverry war Pfarrer der Gemeinde San Sebastián im Bistum Cartago und langjähriger Projekt-Partner von Adveniat. Der Erzbischof von Cali, Dario de Jesús Monsalve, hat eine rigorose Aufklärung der Tat gefordert. Christina Weise hat mit Monika Lauer Perez, Kolumbien-Referentin bei Adveniat, über den Fall, die aktuelle Situation im Land sowie die Zusammenarbeit von Pater Echeverry und Adveniat gesprochen.

Was genau ist in Kolumbien passiert?
Lauer Perez: Der aktuelle Ermittlungsstatus der Polizei besagt, dass sich nach der Messe um sieben Uhr abends zwei Täter in der Kirche versteckt gehalten haben, um später die Kollekte zu stehlen. Sie seien dann in das Pfarrhaus eingedrungen, wo sie auf die beiden Priester trafen. Der jüngere von beiden, Padre Hector, habe es noch geschafft, die Polizei anzurufen. Sie ist dann aber erst so spät eingetroffen, dass sie nur noch die beiden Toten gefunden hat. Laut Polizeibericht muss ein Kampf stattgefunden haben, da es Blutspuren gab, die darauf hinwiesen.

In Kolumbien gibt es seit Längerem Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Guerilla Farc. Trotzdem gehört Gewalt zum Alltag. Hat die Ermordung etwas mit den aktuellen politischen Geschehnissen zu tun?
Lauer Prerez: Ich denke, man kann davon ausgehen, dass es keine politischen Hintergründe gibt, sondern wirklich ein Raubmord war. Aufsehen erregend ist natürlich, dass die Gewalt keinen Halt mehr macht vor der Kirche, dass es keine Achtung mehr vor der Institution Kirche und ihren Repräsentanten gibt. Ich glaube, das hat die Bevölkerung so sehr erschüttert. Die Menschen haben sehr große Anteilnahme gezeigt und während des Begräbnisses immer wieder nach Gerechtigkeit und Strafe gerufen.

Was bedeutet die Ermordung für die Kirche in Kolumbien?
Lauer Perez: Die Kirche selbst ist natürlich erschüttert darüber, dass ihr Status nicht mehr respektiert wird und das ist etwas, was zum Beispiel bei politisch motivierten Taten eher nicht vorkommt. Da gibt es noch diesen Respekt vor der Institution Kirche. Daher glaube ich, dass es etwas sehr Unerwartetes war. Bei den Kollekten gibt es ja auch nicht viel zu stehlen. Auch wenn man die Kommentare in den Medien in Kolumbien liest, sieht man, dass wirklich große Empörung über diese Tat herrscht.

Adveniat unterstützte zahlreiche Projekte von Padre Bernardo Echeverry Chavarriaga. Wie sah die Zusammenarbeit mit ihm aus?

Lauer Perez: Aktuell hatten wir mit Padre Echeverry keine Projekte. Es gab seit 1982 immer wieder Projekte unterschiedlicher Art. Er war ein Mann, der dafür bekannt war, Kirchenbauten, also Kapellen, voranzutreiben. Er hat verschiedene Fahrzeuge mit der Hilfe Adveniats anschaffen können, die wichtig waren, um in den entlegenen Gebieten die pastorale Arbeit zu erfüllen. Er war ein sehr quirliger, ein sehr tatkräftiger Mensch und immer für die Armen da. Und das machte ihn zu einem gerngesehenen Projektpartner von Adveniat. Der junge Pater Hector ist auf genau dieselbe Art und Weise an seinen Beruf herangegangen und hat sehr viel in der Gefängnispastoral gemacht. Im letzten Monat hat er zum Beispiel noch elf Paare im Gefängnis getraut. Es war eine wirklich große soziale und pastorale Arbeit, die die beiden geleistet haben.