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Kolumbien: 200 Farc-Mitglieder seit Abschluss des Friedensvertrags ermordet

Vom wirklichen Frieden ist Kolumbien weit entfernt. Im Schatten der Corona-Pandemie nehmen die Morde an sozialen Aktivisten und Ex-Guerilleros zu.

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Die Reintegration der Farc-Kämpfer ist Teil des Friedensprozesses, doch Paramilitärs und das Organisierte Verbrechen haben kein Interesse am Frieden. Foto (Symbolbild): Adveniat/Escher

Die Gewalt gegen Ex-Kämpfer der linksgerichteten Guerilla-Organisation Farc reißt nicht ab. Angaben der politischen Nachfolgeorganisation zufolge seien von Ende 2016 bis heute insgesamt 200 ehemalige Guerilleros ermordet worden, teilte die Farc-Partei am Montag, 15. Juni 2020, über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Am Wochenende war in der ländlichen Gemeinde Tibú im Departamento Norte de Santander der Ex-Guerillero Mario Téllez Restrepo von Unbekannten umgebracht worden.

Als er von der Arbeit in der Nähe seines Grundstückes zurückgekehrt sei, hätten fünf Männer aus einem Auto heraus das Feuer auf ihn und seinen Begleiter eröffnet, berichtet die Tageszeitung "El Espectador" von dem Verbrechen. Der Begleiter von Téllez habe "sich tot gestellt, er aber versuchte zu fliehen, sie haben ihn geschnappt und ihn schließlich getötet", zitiert das Blatt einen Parteigenossen. Nur zehn Minuten vom Tatort entfernt gebe es eine Militärstation, die vor Ort illegale Koka-Plantagen bekämpft.

"Schluss jetzt! Iván Duque, dieses Massaker muss sofort aufhören", fordert etwa der Ex-Farc-Kämpfer Pablo Catatumbo, der für die Farc-Partei im Senat sitzt. Die Ex-Guerilleros müssten staatlichen Schutz erhalten. Zuletzt hatte sich Farc-Parteichef Rodrigo Londoño Anfang Juni mit der UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte, Michelle Bachelet, getroffen. Dabei verwies der Politiker auf die Tatsache, dass nur knapp elf Prozent der Mordfälle aufgeklärt würden. 40 Prozent der Mordopfer hätten zuvor im Gefängnis gesessen. Auch Téllez war vor seiner Ermordung aus der Haft entlassen worden und wollte mit Ehefrau und drei Kindern ein Leben als Landwirt beginnen. (bb)

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