Bolivien |

"Kokain-Minister" will Freiheit

Der im Hochsicherheitsgefängnis Chonchocoro sitzende Luis Arce Gómez, Ex-Minister der Militärdiktatur Luis García Meza (1980-1981) versucht seine Haftstrafe durch ein Tauschgeschäft mit der Staatsanwaltschaft zu mildern. »Ich werde verhandeln, wenn sie etwas wissen wollen muss ich auch etwas davon haben, nichts auf dieser Welt ist umsonst«, erklärte Gómez am Dienstag.

Der heute 80-Jährige, der wegen seiner engen Verbindungen zur Drogenmafia als »Kokain-Minister« in die Geschichtsbücher einging, war wegen einer Zeugenvernehmung nach La Paz gebracht worden. Ein Ex-Parlamentarier hatte einen Ex-Staatsanwalt des Informantentums während der Meza-Diktatur beschuldigt. Er habe eine »Liste von 15.000 Paramilitärs«, gab Gómez bei einem kurzen Kontakt mit der Presse bekannt. Neben Massengräbern wolle er das unbekannte Grab des ermordeten sozialistischen Politiker Marcelo Quiroga Santa Cruz verraten.

Die von Gómez befehligte Todesschwadron »Novios de la Muerte«, für die kriminelle Neo-Nazis aus Italien rekrutiert wurden, verfolgte während der Terrorherrschaft Opposition und Andersdenkende. Gómez arbeitete zudem mit dem deutschen Nazi-Flüchtling und Kriegsverbrecher Klaus Barbie zusammen.

2009 wurde er von den USA ausgeliefert, wo er eine Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßte. Ein bolivianisches Gericht hatte ihn in Abwesenheit 1993 wegen »Verbrechen gegen die Menschenrechte« zu 30 Jahren Haft verurteilt. (bb)