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Kirche vermittelt in Hungerstreik-Drama

Die katholische Kirche in Chile soll zwischen der Regierung und 34 inhaftierten und im Hungerstreik stehenden Mapuche-Indianern vermitteln. Darauf verständigten sich Chiles Innenminister Rodrigo Hinzpeter und der Erzbischof von Concepcion, Ricardo Ezzati Andrello, nach einem Treffen in Santiago de Chile am Dienstag (Ortszeit). Es bestehe die Hoffnung, dass die bevorstehenden Gespräche mit den Häftlingen durch seine Beteiligung zum Erfolg führen könnten, sagte Ezzati. Sie sollen in den kommenden Tagen beginnen. Weiter rief Ezzati die Mapuches dazu auf, den Hungerstreik zu beenden. Es sei nicht legitim, sein Leben derart zu gefährden. Der Geistliche gilt als eine Vertrauensperson der Mapuche in Chile.

Die 34 Häftlinge sind seit über neun Wochen in verschiedenen Gefängnissen, vorwiegend im Süden Chiles, im Hungerstreik. Mehrere Streikende befinden sich laut Berichten in einem kritischen Gesundheitszustand und wurden in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die Häftlinge protestieren gegen das Antiterrorgesetz aus der Zeit von Diktator Augusto Pinochet (1973-1990). Es ermöglicht unter anderem, Demonstrierende etwa für das Werfen von Molotow-Cocktails wegen "terroristischer Aktionen" unbegrenzt lange und ohne Prozess in Untersuchungshaft zu halten. Weiter können die Angeklagte sowohl vor Zivil- wie Militärgerichte gestellt werden. Viele der Mapuche-Häftlinge sitzen seit Jahren in Haft, nachdem sie im Süden des Landes gegen Landenteignung und Vertreibungen demonstriert hatten.

Vor wenigen Tagen hat der chilenische Präsident Sebastian Pinera als Geste des Entgegenkommens eine Gesetzesvorlage im Parlament eingereicht, die Änderungen im Antiterrorgesetz vorsieht. Zudem bat er die Mapuches erneut persönlich darum, den Streik zu beenden. Die Streikenden bezeichneten die Vorschläge des Staatschefs jedoch als unzureichend.

Quelle: kna